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Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge

Brief von Gustav Klimt an Emilie Flöge
Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge
Gesamtansicht, Vorderseite
Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge
Gustav Klimt, Brief von Gustav Klimt an Emilie Flöge, 11.5.1896, Feder in schwarzer Tusche auf Papier, 17,8 × 22,6 cm, Belvedere, Wien, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Inv.-Nr: Lg 1541
This is the English text for C. Contact: Reproabteilung.
  • Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge

  • Date11/5/1896
  • Artist Gustav Klimt (1862 Wien – 1918 Wien)
  • Object typeBrief
  • MediumPen and black india ink on paper
  • Dimensions
    Briefblatt: 17,8 × 22,6 cm
  • Inventory numberLg 1541
  • Location Currently not on display
  • Credit LineDauerleihgabe aus Privatbesitz
  • Transkription

    Ihr Wolgeboren | Fräulein | Helene Nickl[1] | Wien | postlagernd: Postamt VII. Zieglergasse

     

    Montag Prag II. V. 1896 |

     

    Liebe Midschi! |

     

    Soit-moi fidèle ma belle amie que | j´aime |

    Soit-moi fidèle mon (cocur) tresor, ma vie. |

     

    Schon wieder das leidige Französisch[2] und mein | schönes Miderl mag´s so wenig leiden, | mais il est faut bien. Einige Zeilen | nur ma gazelle, Du bist die erste | Person naturellement welcher ich schreibe, | klein und zart muss ich schreiben, denn nur | drei Pagina stehen mir zur Verfügung das | gibt 3 Briefe an Miderl, Mutter und Helene. | Gestern Sonntag war es mir nicht möglich zu schreiben. | Vielleicht bekommst Du diesen Brief gar erst | Mittwoch und wie holen in ensemble ab | beinahe wollte ich heute Montag schon wieder zurück | nun bleibe ich doch bis Dienstag und am Mittwoch | um halb 10 Wiedersehen, Du freust Dich | hoffentlich nicht weniger darauf als ich selbst | n´est ce pas ma cheri? Folgend einer kürzer | aber höchst wahrheitsgetreuer Bericht über den | Verlauf der Tage ab Wien. Nachdem mir das (petite niece) Nichterl | Lentschi[3]den Wagen gebracht hatte mit dem etwas | besoffenen Kutscher gings fort. Der Schnellzug sollte | gehen 3 Uhr 5 Min. dem war aber nicht so, seit | ersten Mai geht er anders heureusement | plus tard 3 Uhr 40 Min., man soll immer | den jüngsten „Conducteur“ zu Rathe ziehen | das Buch naturellement, daß Du nicht | einmal vielleicht missverstehst. Die Reisegesell- | schaft war selbstverständlich gar nicht nach | meinem xx Wunsch – ein altes | Altwiener Ehepaar, ein jung cechischer | Reichsrathabgeordneter, eine vielgereiste | etwas hart sprechende böhmische Jungfrau | sammt Mutter et moi-meme. Wie | Du siehst gar nichts von Bedeutung, da | muss ich wol vergangener Zeiten und mit | Wehmuth und Sehnen einer anderen Reise gedenken, | welche ich mit einem schönen Kinde allein nach der | Steiermark machte im vorigen Sommer.[4]| – Vielleicht ahnst Du und erräthst es. – | Also weiter! Nachdem ich die Gesellschaft | gehörig „studiert“ ging ich hinaus meine liebe | Mutter Natur zu betrachten, der erste wirkliche | Maientag mit lachender Sonne und lachenden | Fluren„wie die Aun lachet, wann der | Mai erwachet“ und schön war die Fahrt | und der Maler hatte seine Lust und stand da | draußen fast zwei Stunden berührt von | der Pracht der wiedererwachten Natur und | gelinde getröstet. Dann hinein in die Nacht | und nach Prag der, hunderthurmigen | Hotel Stefan[5]und marsch ins´ Bett! Ein | Traum von meinem Garten, alles verwelket, ver- | dorrt, schauerlich hässlich – was es doch nur | sagen will und zu bedeuten hat mit diesen | welken Arommen. – Zeitliches Erwachen | kleiner Spaziergang, nüchterne Sitzung | leidlich befriedigender Ausgang, halb | 1 Uhr fertig. „Was hat Schönmidi in | dieser Zeit wol gemacht? Hoffentlich doch | oft an mich gedacht. Es muss doch so sein. – | O weh! nur mehr eine einzige Seite. | Noch kürzer heißt es nur zu hoffen. Nach der Sitzung | erhielt ich eine Einladung durch Prof. Groll[6] | von der Kunstgewerbeschule in Wien, zum Mittag- | essen bei seinem Schwager „was sollen | Sie so allein sein“ sagte er und ich ging | mit. Ein Gelehrtenheim, Prof. der deutschen Univer- | sität in Prag, ist der Schwager, ein stiller großer hübscher | Mann dabei sehr liebenswürdig und vornehm, em- | pfangen wurde ich in der freundlichsten Weise | von einer verhältnismäßig jungen und hübschen | Frau, groß, lebhaft, blond, gesprächig und temperament-, | voll, so wie ich´s brauche nur mich überhaupt | zu rühren, ein hübsches blondes Töchterl, welches | mir sehr gefiel – nicht sieben Jahre alt, also nur | der Maler in Gefahr, nach dem Essen ein | Ausflug mit dieser Gesellschaft nach der alten | Burg Karlstein, Abends Diner zu 4 | Person gegeben von Präs. der Gesellschaft | zur Förderung etc. etc. drei Professoren und | ich. – Was hat schön Midi in dieser Zeit wol gemacht? | Hoffentlich doch öfters an mich gedacht. | Vieles wollte ich noch schreiben und sagen als wenigstens | manches doch. Zeit und Pagina sind zu End. |

    Sei herzlichst geküsst und innig und lang, lang – |

    GUSTAV. 

    Anmerkungen

    Klimt spielt damit auf den Französischunterricht an, den er mit Emilie Flöge seit 1896 besuchte.

    Helene (Lentschi) war Klimts Nichte, die Tochter seines 1892 verstorbenen Bruders Ernst. Sie lebte im Familienbund der Flöges in Wien.

    Vermutlich spielt Gustav Klimt damit auf eine 1895 gemeinsam mit Mitgliedern der Familie Flöge unternommene Reise nach Langenwang in die Steiermark an, wo die Gesellschaft den Sommer über verbrachte.

    Hotel Erzherzog Stefan. Klimt erhielt die Empfehlung für das Prager Hotel von einem Reisebegleiter während seiner Prag-Reise im Jahr zuvor.

    Andreas Groll war der Sohn des Fotografen Andreas Groll. Nach seiner schulischen Ausbildung studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Ab dem Jahre 1887 wirkte Groll als Professor an der Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie in Wien. Er unterrichtete Aktzeichnen und galt seinerzeit als herausragender Lehrer.

    • 2013 Dauerleihgabe Privatbesitz, Wien
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