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Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge

Brief von Gustav Klimt an Emilie Flöge
Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge
Gesamtansicht, Vorderseite
Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge
Gustav Klimt, Brief von Gustav Klimt an Emilie Flöge, 20.8.1896, Feder in schwarzer Tusche auf Papier, je: 17,8 × 22,6 cm, Belvedere, Wien, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Inv.-Nr: Lg 1542
This is the English text for C. Contact: Reproabteilung.
  • Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge

  • Date20/8/1896
  • Artist Gustav Klimt (1862 Wien – 1918 Wien)
  • Object typeBrief
  • MediumPen and black india ink on paper
  • Dimensions
    2 Briefblätter je: 17,8 × 22,6 cm
  • Inventory numberLg 1542
  • Location Currently not on display
  • Credit LineDauerleihgabe aus Privatbesitz
  • Transkription

    Ihr Wohlgeboren | Fräulein | Emilie Flöge | Langenwang[1]| bei H. Schimmel | Steiermark

     

    Wien Donnerstag 20./VIII. 96 |

     

    Liebe Emilie! |

     

    „In des Mina-Stroms |

    Kristallklarer Wellen-Fluth |

    Mein Gewand ich wusch. |

    Doch der Aermel meines Rockes |

    Ach! von Thränen niederträuft! |

     

    Das Waschen des Gewandes besorgt | heuer bei uns zu Lande in | ganz ausgiebigster Weise der | Himmel – l´eau di ciel – | das Wasser des Himmels. | Von Thränen wiederträuft der Himmel | nur ich selber | die Geschichte mit meinem Landauf- | enthalt fängt nachgerade an lächerlich | zu werden – Wieder ver- | schoben – zum Kuckuk schon – | jetzt hoff´ ich wieder erst auf | Montag Dienstag – | die Arbeit verzögert sich. |

    Nun werde ich mir nicht sehr viel | mitzunehmen brauchen von besagter | Arbeit, ein wenig Dumba[2] , | ein wenig Gerlach[3] – | Universität[4]wird hier bleiben | müssen. Ich bin sehr verdrossen – | dazu mein schlechter Tag in der | Arbeit, so dass ich sie einmal weg | feuern musste | in der Früh ein Nebel | und Wolken, die eine rechte Allerseelen- | stimmung in mir verstärkten – | „die letzten Ostern trag herbei“ | unwillkürlich drängte sich die Empfin- | dung auf die Sommerfrischler | müssten heute oder morgen sammt | und sonders wieder einrücken. Nur | die ersten Zwetschken, welche ich heute | zum ersten Mal sah, mahnten | mich, dass wir doch noch Sommer | haben nach der Zeit. |

    Du wirst wohl auch nicht | allzuviel Vergnügen haben am Lande | notabene bei dem ungnädigen | Himmel, überdies denke ich mir | Langenwang | sehr langweilig und mir | dort fängt Vergnügen scheint zu | sein, dass man mit der Bahn | oder dem theuren Wagen wo | anders hinfährt. Herr Kilian | welcher in Kriglach zu Besuch | war, hat Helene[5]

    mit Biebl | gesehen, sie scheint wegen Verkaufs | zu unterhalten – sollte er sie | von Wald weggezogen haben? | Auch Du wurdest gesehen von ihm | und zwar mit Papa und F[l]orian. | Herr Kilian scheint sehr erbaut zu sein | von Deiner Schönheit gesehen | wenigstens wie er sich Herrn Sodoma | gegenüber geäußert hat, mir selbst | sagte er nur dass er Dich gesehen. |

     

  • 31. Aug. |
  •  

    Eintretende Dämmerung, Mangel an | Briefpapier – ich hatte zur | Noth ein zerschnittenes Couvert | als Fortsetzung verwendet – zwangen | mich gestern vorschnell zu schließen. | Ich habe das unschöne Einblatt | sowie vorschnellen Schluss wieder | beiseite gethan – auf frischen Papier | will ich weiter plauschen oder lamentieren | vielleicht hab´ ich auch etwas frischeren | Muth, allerdings ändert das | an meinem Fortkommen nichts – | doch denke ich Dienstag endlich | auch ein wenig Landluft athmen zu | können. Ein wenig grüner Weg | wird ja doch in Langenwang auch | sein, wo man ein[en] Morgenspazier- | gang | machen kann – ohne Wagen, ohne | Eisenbahn – und wann es täglich | derselbe ist, früh Morgens Bewegung | in frischer Luft – zeitlich aus den | Federn, nicht gefaulenzt, dann | da drückt und schmerzt schließlich |das beste Bett – man geht auch | schließlich nicht auf´s Land bloß | um ein schönes Zimmer und ein gutes | Bett zu haben – dass hat man am | besten zu Hause meine ich – | ich will hinaus aus dem Landzimmer | und dem Bett, es soll ausschauen wie ein | Stall, nur muss es reinlich sein | wenn ich für das Bett nur die zum | Schlafen nothwendige Zeit verwende, | und tagsüber fleißig mich gerührt | in frischer Freien, dann bin | ich Abends müd´ genug um auch | im schlechtesten Bett – königlich | zu schlafen, je härter und | schlechter desto gesünder – | „Heraus aus dem Nest![„] wann´s | drückt[,] denn das ist eine Mahnung | dass es Zeit ist! Halte ich mich | darinnen nicht langer auf als Noth thut | – dann rächt sich´s nicht und mar- | tert nicht die Glieder. – | Das Landleben richtig zu genießen | ist auch eine kleine Kunst die nicht jeder- | mann geläufig ist. - |

    Nachdem nun die Zeit meines Land- | aufenthaltes leider so erheblich | verkürzt ist, so vereinfacht meine | Mitnahme von Arbeit und Material | in ebensolcher Weise – pour plaisir, | werde ich nichts machen können – dazu | ist zu wenig Zeit, also nur bestimmte | Aufträge. Langenwang selbst | reizt mich nicht zum Kommen, es | drängt mich nur das Sehnen zu Euch. | „Nicht reizen mich Langenwang´s öde Gefilde | noch des schimmernden Semmerings verlockende Nähe | der edlen Flöge´s blauäugigsten Töchter weithin | leuchtend durch bethörende Schönheit | Sie drängen in übermächtiges | Sehnen mein gequältes Herz, das Entflammte“ | Das ist schön, nicht wahr? – | Liest man die Briefe welche Du | empfängst? Gerlach war nicht | zufrieden mit dem Blatt – musste | ändern, nichts geht auch nur | halbwegs nach Willen. |

    Ihr seid hoffent- | lich alle wohlauf. Grüße mir alle sehr | herzlich |

    Gruß und Kuss an Dich. | Dienstag ist ekelhaft | spät aber es müsste ein Wunder geschehen | könnte ich fahren. |

    Gustav

    Anmerkungen

    Langenwang in der Nähe von Mürzzuschlag in der Steiermark. Emilie Flöge verbrachte dort gemeinsam mit ihren Schwestern Pauline und Helene sowie ihrer Nichte Helene (Lentschi) die Sommerfrische.

    Im Jahr zuvor erhielt Gustav Klimt den Auftrag die Supraporten (Musik und Schubert am Klavier) für das Musikzimmer des für Nikolaus Dumba am Parkring in Wien errichtete Palais auszuführen.

    Klimt spielt damit auf den ihm vom Verleger Martin Gerlach erteilten Auftrag über Zeichnungen für den Band „Allegorien. Neue Folge“ an. (Allegorien. Neue Folge. Originalentwürfe von namhaften modernen Künstlern mit erläuterndem Text. Wien, um 1900)

    1894 erhielten Klimt und Franz Matsch den Auftrag für die Ausführung von Deckenbildern für die Aula des Universitätsgebäudes in Wien. Die Fertigstellung war für das Jahr 1898 geplant. Klimt schuf die Gemälde Philosophie, Medizin und Jurisprudenz.

    Helene Klimt, die Schwester Emilie Flöges und Schwägerin von Gustav Klimt.

    • 2013 Dauerleihgabe Privatbesitz, Wien
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