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Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge

Brief von Gustav Klimt an Emilie Flöge
Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge
Gesamtansicht, Vorderseite
Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge
Gustav Klimt, Brief von Gustav Klimt an Emilie Flöge, 29.8.1896, Feder in schwarzer Tusche auf Papier,17,8 × 22,6 cm, Belvedere, Wien, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Inv.-Nr: Lg 1543
This is the English text for C. Contact: Reproabteilung.
  • Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge

  • Date29/8/1896
  • Artist Gustav Klimt (1862 Wien – 1918 Wien)
  • Object typeLetter
  • MediumPen and black india ink on paper
  • Dimensions
    2 Briefblätter je: 17,8 × 22,6 cm
  • Inventory numberLg 1543
  • Location Currently not on display
  • Credit LineDauerleihgabe aus Privatbesitz
  • Transkription

    Ihr Wolgeboren | Fräulein | Emilie Flöge | per Ad. Frau Helene Klimt | Langenwang | bei Herrn Schimmel | Steiermark.

    Wien 29. Aug. 1896 |

    Liebe Emilie! |

    Nimm hin die besten Glückwünsche, | liebe Emilie[1]in Liebe | gesendet! Vielleicht trifft | Dich dieser Brief gar nicht mehr | in Langenwang, ich werde ihn | kurz halten, denn soeben theilte | mir Papa, welchen ich im Gast- | haus sitzend traf, mit, dass | Ihr möglicherweise heute Samstag | noch den Heimweg antretet, falls | niemand zu Besuch kommen | sollte. Lasst Euch durch | meinen Brief, welchen ich an Helene | gestern Früh geschickt und welchen | sie heute wahrscheinlich schon | erhalten hat, nicht abhalten zu | kommen, denn mein für 1. September | als nicht ganz sicher in Aussicht gestelltes | Kommen gewinnt mit jedem Tag | an Unsicherheit obwol ich noch | glaube dass es geht. Sollte | Euch also das Wetter vertreiben | indem keine Aussicht| wäre auf ein Schön werden, so | lasst Euch durch meinen Brief | in keiner Weise beeinflussen. | Gerne wäre ich morgen in Langen- | wang gewesen, aber es geht | nicht, ich muss sehr fleißig [sein] | um es doch für Dienstag | möglich zu machen falls ihr nicht | davon geht. Es sind auf meiner | Zeichnung, welche ich in Arbeit | habe, Dinge welche ich in | Langenwang oder am | Lande überhaupt absolut | nicht machen kann, so weit | also muss ich die Arbeit bringen | dann sollte ich mit eben dieser | Arbeit auf´s Land ziehen | und dort weiter „rackern“ nachdem | dies Nebenarbeit ist muss ich sie | sehr schnell erledigen, damit ich | nicht allzusehr von der großen | Arbeit abgehalten werde, dies | ist nur mit enormen Fleiß möglich. | Ich muss diese Nebenarbeit machen | um Kleingeld zu verdienen, denn | durch die Warmhaltung eines Werks | schließlich von Seiten des Ministeriums[2] | bis zur Vollendung der Skizzen | war ich gezwungen das Arbeits- | programm zu ändern und zugleich | sehr fleißig zu sein und das | bin ich nun in ausgedehntestem Maaß | diese Entschließung des Ministeriums hat | nie einen großen Strich durch die Rechnung gemacht, ich bin dabei | eine neue Rechnung zu machen und | die geht eben weniger gut. |

    Einerseits hat´s auch seine guten Seiten | denn durch diesen Rummel wird wenigstens | etwas fertig und es ist die höchste | Zeit. Doch nun genug von dem. – |

    Die Festtage hier in Wien[3] sind | sehr beeinträchtigt durch das | anständig schlechte Wetter, die gestern | verschobene Parade wurde heute | abgehalten natürlich wieder bei | trüben Himmel auch ohne einzelnen | Tropfen geht´s nicht, dazu | nun ganz anständige Kälte, gestern | wollte ich schon einheizen im | Atelier. Beim Eingang habe | ich das russische Kaiserpaar gut | gesehen, noch besser heute beim | Burgthor als sie zur Parade | fuhren sonst habe ich mich nicht | bekümmert um die Festlichkeiten | während ich hier schreibe wird die | Parade auf der Schmelz abgehalten – | ohne mein Mitthun – ich habe | absagen lassen – die Parade | wird aber dennoch abgehalten – | allerdings mit weniger Glanz. |

    Es hat einen starken und ziemlich | schweren Ordensregen gegeben[4] | mit brillantem Hagelwetter | gemischt. Ich bin nicht außer Haus | gewesen und dafür nicht nass geworden. – | Einen Moment hatte ich heute | den Gedanken einen Sonntagsbesuch | zu machen, aber ich denke nun es | ist besser morgen sehr fleißig zu sein, | weil ich dann eher einen zusammenhän- | genden Aufenthalt, wann auch nur, | für einige Tage, nehmen kann und | im Übrigen wäre es mir doch schwer | gefallen Sonntag wieder abzufahren, | was ich auf jeden Fall gemacht | hätte.

    Noch dazu vielleicht  schlechtes Wetter, | Hetzerei etc. So denke ich ist es | besser ein paar Tage später und zusammenhängend. | Vielleicht wird´s doch noch schön – | der September soll ja der beständig- | ste Monat sein. Vielleicht auch | heuer, vielleicht auch im schlechten | Sinne. Falls ihr bleibt, | bleibt ihr ja doch bis zum 10. | das wäre bei schönem Wetter immerhin | noch ein Genuss.

    Verbringe Deinen Geburtstag nach | Möglichkeit gut, sei recht herzhaft | geküsst – brieflich darf man´s ja – | in Wirklichkeit thät´ ich´s viel lieber. Die letzte Seite bringt noch ein Geburtstagsgedicht, leider nicht Eigenbau. |

    Grüße und küsse mir die Andern herzlichst. |

    Gustav

     

    Sie ist jugendlich schön, |

    nicht wie das leichte Volk |

    Rosenwangiger Mädchen ist, |

    Die gedankenlos blüh´n, nur im Vorübergeh´n |

    Von der Natur und im Scherz gemacht, |

    Leer an Empfindung und Geist, leer des allmächtig |

    Triumphirenden Götterbliks. |

     

    Sie ist jugendlich schön, ihre Bewegungen |

    Sprechen alle die Göttlichkeit |

    Ihres Herzens, und werth, werth der Unsterblichkeit |

    Tritt sie hoch im Triumph daher, |

    Schön wie ein gastlicher Tag, frei wie die heitere Luft, |

    Voller Einfalt (Nicht zu verwechseln mit Einfältigkeit!) wie du Natur! (Klopstock)[5] |

     

    Fühlst Du Dich nicht gehoben?

     

    Anmerkungen

    Emilie Flöge feierte am 30. August ihren Geburtstag.

    Ministerium für Cultus und Unterricht in Bezug auf die Anweisung der Raten und gewünschter Korrekturen der Fakultätsbilder.

    Diese Mitteilung bezieht sich auf den Besuch des russischen Zarenpaares in Wien. Siehe dazu Neue Freie Presse, Wien, 29. August 1896, S. 4.

    Siehe dazu Neue Freie Presse, Wien, 29. August 1896, S. 5.

    Es handelt sich dabei um ein Zitat aus dem Gedicht Petrarcha und Laura des deutschen Literaten Friedrich Gottlieb Klopstock.

    • 2013 Dauerleihgabe Privatbesitz, Wien
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