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Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge

Brief von Gustav Klimt an Emilie Flöge
Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge
Gesamtansicht, Vorderseite
Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge
Gustav Klimt, Brief von Gustav Klimt an Emilie Flöge, 3.9.1898, Feder in schwarzer Tusche auf Papier, 17,8 × 22,6 cm, Belvedere, Wien, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Inv.-Nr: Lg 1544
This is the English text for C. Contact: Reproabteilung.
  • Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge

  • Date3/9/1898
  • Artist Gustav Klimt (1862 Wien – 1918 Wien)
  • Object typeLetter
  • MediumPen and black india ink on paper
  • Dimensions
    Briefblatt: 22,8 × 29,2 cm
  • Inventory numberLg 1544
  • Location Currently not on display
  • Credit LineDauerleihgabe aus Privatbesitz
  • Transkription

    Ihr Wolgeboren | Fräulein Emilie Ferdin[1]| Wien | poste restante Postamt VII. | Neustiftgasse 

     3. Sept. 1898 |

    Toi, ma gazelle … |

    Liebes kleines dummes – | Liebe Midi! |

    Ganz in Eile liebes Midcherl, die | paar Zeilen. Verzeih´ das | Hotelpapier, besonders Couvert. |

    Dass ich per „Bummelzug“ abfuhr, habe | ich Euch mitgetheilt, dass ich allein ge- | fahren – ditto – Nichts außer coupé | (Kupee) wie man hier in Bayern schreibt) | II. Klasse, in einer winzigen Strecke zwischen | zwei Stationen saß ich mit einer | aufgepulsten Alten – sie kam und | ging ohne Gruß – sie hatte sich | in „Rosenheim“ entfernt – ich konnte | es mir´s wieder bequemer machen und legte | mich der Länge nach – die Fahrt dauerte | fünf Stunden, sehr langweilig, um | 10 Uhr Abends war ich in München im | „Rheinischen Hof“. Habe Freitag Vormittags | Moll getroffen früher noch | unseren Secretär Hanke – Hofrath | Scala[2] begegnete ich auf der Straße | als ich eine Morgenpromenade machte | war dann im Glaspalaste in der [der] | Genossenschaftsausstellung, sie ist | mit wenig Ausnahmen – darunter | Klingers „Christus im Olymp“[3] | miserabel, - Nachmittags „Secession“ | sie ist weitaus besser, aber auch | nicht auf der Höhe – Abends | ein Ausflug nach Dachau | Besuch der „Dachauergruppe“ (Malergruppe)[4] | Eine unvergleichlich schönes malerisches | Stück Land – obwohl ganz flach malerisch auf jeden | Schritt und Tritt – Motive im Über- | maß – leider auch Maler und | Malerinen im Übermaß – | wie die Kreuzspinnen im Spätsommer, | so „häuftig“ trifft man sie an und | sehen sie aus, mit ihren aufgespannten | Schirmen – sie weichen auch | der Sonne aus und gehen auf „Stimmung“. |

    Wir bleiben heute Samstag bis | Abend 9 Uhr hier, fahren dann nach | Salzburg – übernachten und bringen | den Sonntag Vormittag dort zu – | Nachmittag geht´s dann per Schnellzug | zurück nach Wien zu meinem lieben | dummen kleinen … die Stunde | der Ankunft´ theile ich auf einer Karte mit

    | Leb wohl liebe Emilie Gruß und Kuss |

    Dein Gustav

     

    Heute Nacht hat mir geträumt | von Dir, Du warst etwas bös auf mich „dumme Grethl“

     

    Anmerkungen

    Gustav Klimt sandte diesen Brief postlagernd an ein Wiener Postamt und benutzte für Emilie Flöge ein diskretes Pseudonym.

    Arthur von Scala war der Sohn eines Beamten im Finanzministerium. 1897 wurde er Direktor des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Indem er Künstler wie Otto Wagner, Felician von Myrbach, Koloman Moser, Arthur Strasser, Josef Hoffmann, Alfred Roller und andere zur Mitarbeit am Museum und an der angeschlossenen Kunstgewerbeschule heranzog, wurde Scala zu einem Wegbereiter des Jugendstils in Wien.

    Max Klingers zwischen 1889 und 1897 entstandenes Hauptwerk Christus im Olymp wurde für die Moderne Galerie (heute Belvedere) in Wien erworben.

    In Dachau nahe München war im ausgehenden 19. Jahrhundert eine bemerkenswerte Malerkolonie beheimatet, deren Bedeutsamkeit besonders der Wirkung von Adolf Hölzel und seinem Kreis, den sogenannten "Neu-Dachauern", zuzuschreiben ist. In Dachau betrieb Adolf Hölzel, der sich innerhalb der Gruppe am stärksten entwickelt hatte, schon seit den 1890er Jahren eine private Malschule. Er lehrte seine Schüler (darunter Ida Kerkovius, Theodor von Hörmann und nicht zuletzt Emil Hansen, der sich bald Emil Nolde nennen sollte), die Landschaft als Flächenkonstrukt zu sehen und zu begreifen.

    • 2013 Dauerleihgabe Privatbesitz, Wien
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