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Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge

Brief von Gustav Klimt an Emilie Flöge
Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge
Gesamtansicht, Vorderseite
Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge
Gustav Klimt, Brief von Gustav Klimt an Emilie Flöge, 27.4.1899, Feder in schwarzer Tusche auf Papier, 17,8 × 22,6 cm, Belvedere, Wien, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Inv.-Nr: Lg 1545
This is the English text for C. Contact: Reproabteilung.
  • Letter from Gustav Klimt to Emilie Flöge

  • Date27/4/1899
  • Artist Gustav Klimt (1862 Wien – 1918 Wien)
  • Object typeBrief
  • MediumPencil on paper
  • Dimensions
    2 Briefblätter je: 15,5 × 22 cm
  • Inventory numberLg 1545
  • Location Currently not on display
  • Credit LineDauerleihgabe aus Privatbesitz
  • Transkription

    Fräulein | Emilie Ferdin[1]| poste restante | Vienna | VI. Postamt Gumpendorferstrasse 6/1

    Florenz Donnerstag 7 Uhr Früh | 27./IIII 1899

     

    Liebe Emilie! |

    an meine Kleine |

    Verzeihe die Bleischrift | ich habe keine Tinte | heroben, müsste unten | im Schreibzimmer schreiben | oder Tinte holen weiß aber | nicht wie solche hierzulande | heißt, es ist überhaupt | eine missliche Sache, die Sprache | des Landes nicht zu sprechen | hatte ziemlich Gefrett | auf der Herreise. Hier | im Hotel „Helvetia“ | wo ich wohn´, spricht man | auch leidlich deutsch, das heißt | die Bediensteten, nur mein | Stubenmädchen, eine alte schnurr- | bärtige Italienerin, hässlich | dazu, - ich seh´ sie zum Glück | nicht oft – die kann gar | nicht Deutsch. |

    Wie ich schon auf der Karte | geschrieben habe, hatte | ich während der Fahrt schönes | Wetter, leider war die | erste Zeit in Florenz bis heute schlechtes | kühles Regenwetter, trüb | und armselig – im sonnigen | Italien mit dem vielgerühmten | tiefblauen Himmel – heute | endlich dürfte es einen | schönen Tag geben, ich | sehe  leuchtendes Blau auf | dem Stückchen Himmel welches | ich durch meine Lichthofaussicht | erheischen kann wann ich mich | zur Erde bücke und den | Kopf verdrehe. Ich | hatte hier ein sehr schönes | Zimmer, wurde aber am | ersten Tage straks in ein | anderes kleineres versetzt, welches | wohl sonst ganz nett ist | aber wie gesagt durch die | schöne Aussicht leidet, die | Hotels hier überfüllt | man muss zufrieden sein. | Die Stadt ist sehr interessant | ich selbst bin in verhältnismäßig | trüber Stimmung, schwermüthig | vielleicht bringt der heutige | schöne Tag Aufheiterung in | mir. Ich habe schon | ziemlich viel hier gesehen. | Moll kennt sich gut aus, | weil er das meiste nun | schon zum zweiten male | sieht aber mit Ausdauer | den Führer macht. Außer | Moll und seine Familie ist | noch der ehemalige Direktor Burghart hier in der Gesellschaft ferner | ein schweigsamer Jüngling. | Engelhart und Genossin | sind am Tage meiner Ankunft | abgefahren. Obengenannte | Gesellschaft trifft sich voll- | zählig meist nur beim | Mittag und Abendessen – | In den Sammlungen | welche hier sehr interessant | sind, bin ich gewöhnlich mit | Moll allein, weil die | andern dies alles, wie gesagt | schon gesehen haben. | Ich übertreibe das Kunst, | schöner nicht wie seinerzeit | in Venedig und nicht | besser so, - dass alles | erzähle Dir übrigens besser mündlich | du mein dummes kleines M, | kriegst ja auch noch einen | zweiten Brief den Du am | 2. Mai holen kannst | unter gleicher Anschrift | wie dieser und da will | ich manches nachholen | sonst wird dieser Brief zu lang | und Du kannst Strafe zahlen. |

    Denke sehr oft an mich | Kleines – damit wir | uns im Gedankens öfter | hatten, schreiben brauchst | Du mir nicht, wenn´s nicht | sehr leicht geht. |

    Jetzt muss ich schließen | und zum Frühstück gehen | habe mit Moll Rendezvous | – dann geht die Arbeit | wieder an. |

    Das Essen ist sehr gut | ich trinke verhältnismäßig | viel Wein – ohne Folgeübel. |

    Nun leb´ recht wol |

    Da unten links in der |

    Ecke kannst Du dir |

    einen holen |

    besten Gruss und Kuss |

    Gustav

     

    Anmerkungen

    Gustav Klimt sandte diesen Brief postlagernd an ein Wiener Postamt und benutzte für Emilie Flöge ein diskretes Pseudonym.

    • 2013 Dauerleihgabe Privatbesitz, Wien
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