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Amalie Zuckerkandl

In the image, a woman is seated in historical clothing that leaves her shoulders and upper arms bare. She has an upright posture and is looking directly at the viewers. Her hair is styled and voluminous. Around her neck, she wears a striking necklace or collar. The background features a restless, abstracted area that contrasts with the figure. The woman has a relaxed yet attentive demeanor.

[AI-generated with ChatGPT]
Amalie Zuckerkandl
Gesamtansicht, Vorderseite
In the image, a woman is seated in historical clothing that leaves her shoulders and upper arms bare. She has an upright posture and is looking directly at the viewers. Her hair is styled and voluminous. Around her neck, she wears a striking necklace or collar. The background features a restless, abstracted area that contrasts with the figure. The woman has a relaxed yet attentive demeanor.

[AI-generated with ChatGPT]
Gustav Klimt, Amalie Zuckerkandl, 1917/18 (möglicherweise bereits 1913/14 begonnen), Öl auf Leinwand, 128 × 128 cm, Belvedere, Wien, Inv.-Nr. 7700
Werk ist Teil der Open Content Policy des Belvedere, ist zum Download freigegeben und frei von Urheberrechten <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/zero/1.0/80x15.png" /></a>
  • Amalie Zuckerkandl

  • Date1913/14 (possibly also still in 1917) (unfinished)
  • Artist Gustav Klimt (1862 Wien – 1918 Wien)
  • Object typePainting
  • MediumOil on canvas
  • Dimensions
    128 × 128 cm
  • Signatureunlabelled
  • Inventory number7700
  • Location Upper Belvedere
  • Credit Line1988 Widmung Vita und Gustav Künstler

  • The sitter is Amalie Zuckerkandl, wife of the surgeon Otto Zuckerkandl and sister-in-law of the well-known writer Berta Zuckerkandl. This unfinished portrait clearly demonstrates Gustav Klimt’s method of working. As in all of his late portraits, his starting point was the face while the body and clothes are initially only indicated using sketchy strokes. Klimt was given the commission in 1913/14, but progress was interrupted when the Zuckerkandls moved house. In 1917 he resumed work on the portrait, yet it was never finished due to Klimt’s unexpected death early the following year. Amalie Zuckerkandl was left impoverished after the couple divorced. In 1942 she was deported by the Nazis and murdered at Bełžec extermination camp in Poland.
  • Essay

    Amalie Zuckerkandl
    Franz Smola ORCID logo

    Beauftragung

    Vermutlich 1913 gab der Wiener Chirurg und Urologe Dr. Otto Zuckerkandl bei Gustav Klimt ein großes Porträt seiner Gattin Amalie in Auftrag.[1] Amalie, recte Miriam Amalie Zuckerkandl (1869–1942), war die Tochter des Wiener Schriftstellers und Bühnenautors Sigmund Schlesinger. 1895 hatte sie Otto Zuckerkandl geehelicht und war aus diesem Grund zum Judentum konvertiert. Das Paar hatte drei Kinder: Viktor Zuckerkandl, Nora, verheiratete Stiasny, und Hermine, verheiratete Müller-Hofmann.[2] Otto Zuckerkandls Bruder Emil Zuckerkandl war gleichfalls Mediziner und ein bedeutender Anatom. Er war mit der bekannten Schriftstellerin und Kunstkritikerin Berta Zuckerkandl, geborene Szeps, verheiratet. Diese zählte zu den eifrigen Verfechter*innen der Ideen Klimts und der Wiener Secession und veröffentlichte darüber in der Wiener Allgemeinen Zeitung und im Neuen Wiener Journal zahlreiche Artikel und Kunstkritiken. Der Bekanntschaft mit diesem bedeutenden Mediziner ist es zu verdanken, dass Klimt erstaunliche anatomische Kenntnisse erlangte. Berta Zuckerkandl berichtet, dass Klimt Vorlesungen von Professor Zuckerkandl beiwohnte und mit histologischen Präparaten vertraut wurde, die ihm die vielgestaltigen Formen der menschlichen Zellen eröffneten. Mit großer Wahrscheinlichkeit dürften sich diese Inspirationen in den vielen biomorphen Dekorformen niedergeschlagen haben, mit denen Klimt seine um und kurz nach 1900 entstandenen Werke bereichert hat.[3] Weitere Geschwister von Otto Zuckerkandl waren Robert Zuckerkandl, Amalie Zuckerkandl, verehelichte Redlich, sowie Viktor Zuckerkandl. Viktor war Gründer und Generaldirektor des Sanatoriums Purkersdorf bei Wien, dessen legendärer Bau 1904 von Josef Hoffmann im puristischen Secessionsstil errichtet worden war. Zudem zählte Viktor zu den begeisterten Sammler*innen von Gemälden Gustav Klimts.[4] 1912 schuf Klimt auch ein Bildnis von Viktors Frau Paula Zuckerkandl, geborene Freund.[5]

    Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste Klimt die Arbeit am Bildnis von Amalie Zuckerkandl jedoch unterbrechen, weil Otto Zuckerkandl, der bis dahin im Wiener Rothschildspital Primararzt gewesen war, gemeinsam mit seiner Frau nach Lemberg ging, wo er als leitender Militärarzt tätig wurde und auch Amalie im Spital arbeitete. Unklar ist, ob Klimt zu diesem Zeitpunkt bereits mit der Arbeit am Gemälde begonnen hatte oder ob seine Beschäftigung mit dem Bildnis über diverse Bleistiftstudien noch nicht hinausgegangen waren. Nach Amalie Zuckerkandls Rückkehr nach Wien im Jahr 1917 nahm Klimt die Arbeit am Bild wieder auf. Tatsächlich finden sich erst jetzt konkrete Hinweise darauf, dass er das Gemälde in Arbeit hatte. Denn Klimts Terminkalender aus dem Jahr 1917, der sich glücklicherweise erhalten hat, weist für den 8. und den 10. Mai sowie für den 14. Juni 1917 jeweils die Einträge „Zuck[erkandl]“ auf, was auf Arbeitssitzungen mit Amalie Zuckerkandl für ihr Bildnis schließen lässt.[6] Wenngleich das Bildnis bei Weitem noch nicht fertig war, leisteten die Zuckerkandls im Herbst 1917 zwei Teilzahlungen dafür. In einem erstmals von Alice Strobl publizierten Skizzenbuch Klimts aus dem Jahr 1917 finden sich unter den Einkünften des Künstlers folgende zwei Einträge: „5. Nov. Zuckerkandl à conto 2.000 [Kronen]“ und „12. Dez. à conto Zuck[erkandl] 2.000 [Kronen]“[7] Die Preise für Klimts Damenbildnisse rangierten in den Jahren zuvor bei rund zehntausend Kronen. Aufgrund der kriegsbedingten Inflation erhöhten sich allerdings in den darauffolgenden Jahren die Preise. Für das 1916 vollendete Bildnis seiner Freundin Friederike Beer-Monti musste der Auftraggeber Hans Böhler zum Beispiel bereits zwanzigtausend Kronen zahlen.[8] Die Vollendung des Bildnisses von Amalie Zuckerkandl wurde jedoch mit dem Schlaganfall, den Klimt im Jänner 1918 erlitt und dem er rund einen Monat später erlag, unmöglich gemacht.

    Entstehungsprozess und Frage der Datierung

    Dadurch, dass das Bildnis der Amalie Zuckerkandl nur partiell ausgeführt wurde, gibt das Gemälde einen anschaulichen Einblick in Klimts Malprozess. Es fällt auf, dass Klimt die Oberfläche des Bildes nicht von vornherein gleichmäßig mit Farbe bedeckte, sondern dass er sich zunächst einer ganz bestimmten Partie, nämlich dem Gesicht samt den nackten Schultern der Dargestellten, widmete. Diese Partie wiederum führte Klimt so detailliert aus, dass sie mit Sicherheit als vollendet angesehen werden kann. Die übrigen Teile der Darstellung, also die restliche Figur, die Hände, das Kleid, den Hintergrund, skizzierte Klimt hingegen erst mit Bleistift oder Kreide auf die nackte Leinwand, ohne sich noch gestalterisch näher damit auseinanderzusetzen. Es überrascht die Skizzenhaftigkeit, mit der er diese Partien umreißt, Klimt verzichtete offensichtlich gänzlich auf eine detaillierte Vorzeichnung. Man erkennt in diesen skizzierten Andeutungen nur so viel, dass die Dargestellte vermutlich einen langen Seidenschal um die Arme geschlagen hat und dieser Schal beidseitig über das Kleid gelegt ist. Über diesen Schal sollte sich wohl auch ein mit Bleistift grob angedeutetes Blumenmuster ziehen, das links mittels punktueller Flecken in Türkis- und Rosatönen auch farbig umrissen ist. Ansonsten fehlen bei der gesamten Partie des Kleides noch gänzlich die Farben, während der Hintergrund teilweise dünn türkisfarbeneingefärbt ist. Dort finden sich zudem einige nur mit Bleistift hingesetzte Figurationen, die darauf schließen lassen, dass Klimt für die Gestaltung des Hintergrundes möglicherweise noch dekorative Elemente vorgesehen hatte.

    Wie bei allen seinen Porträtaufträgen erprobte Klimt auch beim Bildnis der Amalie Zuckerkandl zunächst anhand von Bleistiftstudien die unterschiedlichen Möglichkeiten der Position der Dargestellten und reflektierte ausführlich, ob er sie sitzend oder stehend festhalten wollte und in welcher Garderobe. Alice Strobl hat in ihrem Werkverzeichnis der Zeichnungen Klimts 28 Studien publiziert, die sie dem Porträt von Amalie Zuckerkandl zuweist. 25 davon datiert sie aus stilistischen Gründen in die Jahre 1913/14 (Abb. 1).[9]

    Unklar ist, ob Klimt, als er die Bleistiftstudien anfertigte, auch bereits mit der Arbeit am Leinwandbild begonnen hatte. Tatsächlich fügen sich sowohl die Komposition als auch die ausgeführten Partien, wie sie heute im Gemälde von Amalie Zuckerkandl sichtbar sind, nahtlos in die Reihe jener Porträts, die Klimt in den Jahren 1913 und 1914 in Arbeit hatte. Dazu zählen vor allem die beiden Porträts, die Klimt von Eugenia (Mäda) Primavesi[10] (Abb. 2) und deren Tochter Mäda[11] schuf. Beide Werke weisen eine ähnlich strenge Frontalität in der Komposition auf wie das Bildnis von Amalie Zuckerkandl. Charakteristisch ist daneben die ungemein sorgfältige und plastische Ausgestaltung der Gesichter, ähnlich wie sie auch in der Gesichtspartie von Amalie Zuckerkandl zu finden ist.

    Im Bildnis von Eugenia Primavesi fällt zudem die erstaunliche Diskrepanz zwischen den detailliert ausgearbeiteten Partien des Gesichts und der Hände einerseits und dem überraschend skizzenhaft und dynamisch gestalteten Muster des Kleides und der Hintergrundpartie auf. Vermutlich hatte Klimt diese Bereiche in unterschiedlichen Arbeitsschritten und möglicherweise auch unterschiedlichen Phasen aufgetragen, wobei davon auszugehen ist, dass die Gestaltung von Gesicht und Händen als Erstes erfolgt war. Mit dieser gestalterischen Diskrepanz wirkt das Bildnis Eugenia (Mäda) Primavesi in seiner Gesamtwirkung tatsächlich äußerst inhomogen. Eine vergleichbare Aufteilung in unterschiedliche Arbeitsphasen scheint sich im Bildnis von Amalie Zuckerkandl zu wiederholen. Auch hier widmete sich Klimt zunächst mit größter Aufmerksamkeit der Ausarbeitung der Kopfpartie, bevor er sich der Gestaltung des Kleides und des Hintergrunds zuwenden wollte, wozu es aber nicht mehr kam.

    Allerdings finden sich die eben beschriebenen Merkmale, die für Klimts um 1913/14 entstandene Porträts so typisch sind, nämlich die Frontalität der Darstellung und die detaillierte Ausführung der Gesichtszüge, auch in Bildnissen, die Klimt erst in späteren Jahren gemalt hat. So weist etwa das 1915 entstandene Bildnis von Barbara Flöge, der Mutter der Schwestern Flöge, eine ähnliche frontale Komposition auf (Abb. 3).[12] Anders als die Mitglieder der Familie Primavesi stellt Klimt Barbara Flöge in sitzender Position dar, also in gleicher Weise wie Amalie Zuckerkandl. Zudem weist das Bildnis von Barbara Flöge einen in Grün gehaltenen Hintergrund auf, einer Farbe, die Klimt für die Hintergründe seiner Bildnisse nur selten verwendet hat, die aber auch im Porträt von Amalie Zuckerkandl zumindest anklingt.

    Und auch im erst 1917 entstandenen Bildnis Fräulein Lieser (Abb. 4) findet das Bildnis von Amalie Zuckerkandl sowohl kompositorisch als auch maltechnisch eine direkte Entsprechung. Dieses Bildnis einer Angehörigen der Industriellenfamilie Lieser hatte lange Zeit als verschollen gegolten und war nur aufgrund einer Schwarz-Weiß-Fotografie bekannt, bevor es in Privatbesitz auftauchte und im Frühjahr 2024 in Wien zur Auktion gelangte.[13] Vergleichbar sind in beiden Porträts nicht nur die streng frontale Komposition, sondern auch Details wie etwa die ganz ähnliche Haltung der jeweils linken Hand der Porträtierten, die im Fall von Amalie Zuckerkandl erst mit Bleistift oder Kreide angedeutet ist. Gleichfalls erst zeichnerisch umrissen ist im Zuckerkandl-Bildnis der Schal, der mit reichem Blumenmuster versehen sein dürfte und offensichtlich über das Kleid von Amalie Zuckerkandl ausgebreitet ist. Was Klimt hier erst vage andeutet, erscheint im Bildnis Lieser klar artikuliert, wo ein vergleichbarer geblümter Seidenschal von den Schultern der Dargestellten fällt und zu einem großen Teil das Kleid bedeckt.[14]

    Vor allem aber findet sich im Bildnis Fräulein Lieser eine ähnlich präzise Gestaltung der Gesichtszüge, wie sie auch im Bildnis von Amalie Zuckerkandl anzutreffen ist. Allein wie etwa die fein geschwungenen Augenbrauen sowohl im Bildnis Zuckerkandl als auch im Bildnis Lieser höchst elegant gezogen sind, wie bei beiden die Lippen sinnlich geformt erscheinen und wie – ein bemerkenswertes Detail – in beiden Fällen die Pupillen mit sichtbaren Glanzlichtern versehen sind, ist frappierend und legt die Vermutung nahe, dass beide Werke recht knapp hintereinander entstanden sind (Abb. 5) (Abb. 6). Damit dürfte das Bildnis von Amalie Zuckerkandl wohl doch erst 1917 seine heute sichtbare Ausgestaltung erhalten haben, wenngleich nicht auszuschließen ist, dass Klimt bereits in den Jahren 1913/14 zeitgleich mit den zeichnerischen Vorarbeiten auch mit der malerischen Ausfertigung zumindest begonnen hat.

    Auffällig im Porträt von Amalie Zuckerkandl, die damals im 48. Lebensjahr stand, erscheint die nackte Schulterpartie; erst weit unter dem Schulteransatz sind Arme und Oberkörper von einem Schal bedeckt. Nie zuvor hatte Klimt einer Dame, wenn sie selbst oder ihre Familie bei ihm ein Bildnis in Auftrag gegebenen hatte, eine solche Freizügigkeit zugemutet. Zwischen diese auffällige Schulterpartie und den Kopf der Dargestellten schiebt sich ein schwarzes, mit weißer Spitze unterfüttertes Halsband. Das Band ist so eng an den Hals angelegt, dass es diesen geradezu einzuschnüren scheint. Auffällig erscheinen auch die etwas hochgezogene rechte Augenbraue und der leicht geöffnete Mund. Wie Infrarotreflektografie-Aufnahmen zeigen, waren in der Vorzeichnung, die Klimt mit einem Stift auf die Leinwand aufgetragen hatte, die Lippen der Dargestellten noch geschlossen.[15] Offensichtlich hatte sich Klimt erst in der Folge dazu entschlossen, den Mund in geöffnetem Zustand zu malen. Mit diesen auf den ersten Blick kaum wahrnehmbaren Details verleiht Klimt der Dargestellten eine besondere Lebendigkeit, Amalie Zuckerkandl scheint geradezu mit uns Betrachtenden zu kommunizieren.

    Anmerkungen

    Johannes Dobai, „Œuvrekatalog der Gemälde“, in: Fritz Novotny / Johannes Dobai, Gustav Klimt, hg. von Friedrich Welz, Salzburg 1967, WVZ-Nr. 213 (Bildnis Frau Amalie Zuckerkandl, 1917/18, unvollendet); Alfred Weidinger / Michaela Seiser / Eva Winkler, „Kommentiertes Gesamtverzeichnis des malerischen Werkes“, in: Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt, München u.a. 2007, WVZ-Nr. 250 (Amalie Zuckerkandl, 1917, unvollendet); Tobias G. Natter (Hg.), Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Köln 2012, WVZ-Nr. 241 (Bildnis Amalie Zuckerkandl, 1917, unvollendet); Klimt-Foundation, Wien (Hg.), Gustav Klimt-Database, 2022 – laufend, https://gkdb.link/1344-9913 (Porträt Amalie Zuckerkandl, 1917/18, unvollendet) (zuletzt besucht am 8.8.2023).

    Ruth Pleyer, „‚Was blieb, war kaum „das nackte Leben“‘. Gustav Klimts ‚Bildnis der Amalie Zuckerkandl‘“, in: Verena Pawlowsky / Harald Wendelin (Hg.), Enteignete Kunst. Raub und Rückgabe – Österreich von 1938 bis heute, Wien 2006, S. 122–141, hier S. 126.

    Emily Brown, „Ornament as Evolution. Gustav Klimt and Berta Zuckerkandl“, in: Renée Price (Hg.), Gustav Klimt. The Ronald S. Lauder and Serge Sabarsky Collections (Ausst.-Kat. Neue Galerie New York), München et al. 2007, S. 144–169, hier S. 162–163.

    Sophie Lillie, Was einmal war. Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens, Wien 2003, S. 919.

    Weidinger/Seiser/Winkler 2007 (wie Anm. 1), WVZ-Nr. 209; Natter 2012 (wie Anm. 1), WVZ-Nr. 197.

    Hansjörg Krug, „Gustav Klimt’s Last Notebook“, in: Renée Price (Hg.), Gustav Klimt. The Ronald S. Lauder and Serge Sabarsky Collections (Ausst.-Kat. Neue Galerie New York), München et al. 2007, S. 213–231, hier S. 222.

    Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Bd. 3: 1912–1918, Salzburg 1984, S. 242. Heute befindet sich das Skizzenbuch im Besitz der Klimt-Foundation, Wien.

    Martin Suppan, Hans Böhler. Leben und Werke, Wien 1990, S. 36; zit. in Janis Staggs, „Gustav Klimt: Friederike Maria Beer and the Artistsʼ Gallery“, in: Journal of Austrian-American History, Bd. 9, Heft 1/2, 2025, S. 70–100, hier S. 79, https://doi.org/10.5325/jaustamerhist.9.1-2.0070 (zuletzt besucht am 27.10.2025). Für die Vorabübermittlung des Manuskripts danke ich Janis Staggs, Neue Galerie New York, ganz herzlich.

    Strobl 1984 (wie Anm. 6), WVZ-Nrn. 2468–2493; Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Bd. 4: Nachtrag 1878–1918, Salzburg 1989, WVZ-Nrn. 3686, 3687.

    Weidinger/Seiser/Winkler 2007 (wie Anm. 1), WVZ-Nr. 218; Natter 2012 (wie Anm. 1), WVZ-Nr. 207.

    Weidinger/Seiser/Winkler 2007 (wie Anm. 1), WVZ-Nr. 213; Natter 2012 (wie Anm. 1), WVZ-Nr. 202.

    Weidinger/Seiser/Winkler 2007 (wie Anm. 1), WVZ-Nr. 222; Natter 2012 (wie Anm. 1), WVZ-Nr. 211. Eine farbige Abbildung dieses Werks findet sich in Agnes Husslein-Arco / Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt. 150 Jahre (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), Wien 2012, S. 270.

    Weidinger/Seiser/Winkler 2007 (wie Anm. 1), WVZ-Nr. 245; Natter 2012 (wie Anm. 1), WVZ-Nr. 235. Im Zuge der Wiederauffindung des Werks kamen auch zahlreiche neue Fakten über die mögliche Identität der Dargestellten zum Vorschein. Demnach finden sich gute Gründe für die Annahme, dass es sich nicht, wie bisher in der Klimt-Literatur vermutet, um Margarethe Constanze Lieser, die Tochter von Adolf Lieser handelt, sondern um eine der beiden Töchter von Adolfs Bruder, Justus Lieser. Siehe dazu unter anderem Olga Kronsteiner, „Klimts verschollenes ‚Fräulein Lieser‘ in Privatbesitz wieder aufgetaucht“, in: Der Standard, 25.1.2024; Angelika Hager, „‚Die Judenassel besitzt einen echten Klimt! Gottvoll‘“, in: Profil, 16.3.2024; Olga Kronsteiner, „Offene Fragen zu Gustav Klimts ‚'Bildnis Fräulein Lieser‘“, in: Der Standard, 13.4.2024.

    Franz Smola, „Von schwarz-weiß zu farbig – Zur Koloristik des wiederentdeckten Gemäldes ‚Bildnis Fräulein Lieser‘ von Gustav Klimt“, in: Begleitpublikation zu: The Gustav Klimt Sale. Auktion am 24. April 2024, Auktionshaus im Kinsky, Wien 2024, o. S.

    Siehe dazu: Stefanie Jahn, „Gustav Klimt, Amalie Zuckerkandl, 1917/18. Technologische Untersuchung“, https://sammlung.belvedere.at/objects/7488/amalie-zuckerkandl (zuletzt besucht am 1.7.2026).


    Abbildungen

    • [1] XCIX. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession. Klimt-Gedächtnis-Ausstellung (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1928, S. 13, Kat. Nr. 58 (Damenbildnis [Besitz F. Bloch-Bauer]).
    • [2] Archiv des Bundesdenkmalamtes Wien, Restitutionsmaterialien Bloch-Bauer, Karton 32, Zl. 782/1939, Aktenvermerk Josef Zykan, Zentralstelle für Denkmalschutz, 2.2.1939.
    • [3] Archiv des Belvedere (AdB), Wien, Zl. 21/1988, Übernahme nach Künstlers Tod 2001.
    Further Notes

    Monika Mayer ORCID logo und Franz Smola ORCID logo

    Das noch unfertige Porträt von Amalie Zuckerkandl, für das die Auftraggeber im November und Dezember 1917 bereits Teilzahlungen geleistet hatten, wurde diesen von den Erb*innen nach Gustav Klimt ausgefolgt.

    Amalies Ehe mit Otto Zuckerkandl wurde 1919 geschieden. Amalie Zuckerkandl geriet in den 1920er-Jahren in finanzielle Nöte und verkaufte ihr Bildnis an den Zuckerindustriellen Ferdinand Bloch-Bauer, mit dem sie gut bekannt war. Im Katalog der Klimt-Gedächtnis-Ausstellung in der Secession 1928 wird Ferdinand Bloch-Bauer als Eigentümer des Gemäldes angeführt (Abb. 1).[1] 1937 stellte Bloch-Bauer das Porträt als Leihgabe für die Ausstellungen österreichischer Kunst in Paris und Bern zur Verfügung.[2]

    Im Jänner 1939 befand sich das Bildnis anlässlich der Aufnahme von dessen Kunstsammlung durch NS-Behörden noch in der Wohnung Bloch-Bauers in der Wiener Elisabethstraße.[3] Nach derzeitigem Indizienstand ließ Bloch-Bauer, der sich im Schweizer Exil befand, das Porträt 1940 oder 1941 an Amalie beziehungsweise deren Tochter Hermine Müller-Hofmann zurückgeben.[4] Offensichtlich wollte Bloch-Bauer damit die Familie Amalies, die antijüdischen Repressionen ausgesetzt war, unterstützen. Im November 1941 wurde Amalie Zuckerkandl gemeinsam mit ihrer Tochter Nora Stiasny von den Nationalsozialisten in eine jüdische Sammelwohnung im 9. Wiener Gemeindebezirk verbracht. Im April 1942 wurden beide nach Izbica deportiert und vermutlich kurz darauf im Vernichtungslager Bełžec in Polen ermordet.[5] Das Klimt-Bildnis ihrer Mutter verkaufte Hermine Müller-Hofmann im Jahr 1942 der Leiterin der Neuen Galerie in Wien, Vita Künstler, um 1.600 Reichsmark.[6] Vita Künstler veräußerte im selben Jahr das Bild um 2.000 Reichsmark an ihren Ehemann Gustav Künstler. Nach 1948 machten Vita und Gustav Künstler Hermine Müller-Hofmann das Angebot, das Bild zurückzukaufen, aber dazu war Hermine Müller-Hofmann nach dem Tod ihres Gatten Wilhelm finanziell nicht in der Lage.[7] 1988 vermachte Vita Künstler Klimts Bildnis testamentarisch der Österreichischen Galerie; in der Widmung werden Vita und Gustav Künstler gemeinsam als Schenker*innen ausgewiesen. Mit Vita Künstlers Tod im Jahr 2002 gelangte das Werk schließlich auch physisch in den Bestand des Museums.

    Bereits vor der Übergabe des Bildes an die Österreichische Galerie Belvedere wurden von den Rechtsnachfolger*innen nach Ferdinand Bloch-Bauer und Amalie Zuckerkandl erstmals Forderungen nach Rückstellung des Bildes erhoben. Aus diesem Grund beschäftigte sich ab August 2000 der Kunstrückgabebeirat, der im Zuge der Erlassung des Kunstrückgabegesetzes von 1998 eingerichtet worden war, mit dieser Frage. Fünf Jahre später, am 29. Juni 2005, konnte der Beirat dem zuständigen Bundesminister die Ausfolgung des Gemäldes an die Rechtsnachfolger*innen nicht empfehlen.[8] Gegenüber den Erb*innen nach Ferdinand Bloch-Bauer argumentierte der Beirat, dass die Übergabe des Bildes von Bloch-Bauer an die Familie Zuckerkandl/Müller-Hofmann freiwillig erfolgt sei und daher keinen politisch motivierten Zwangsakt darstelle. Gegenüber den Erb*innen nach Amalie Zuckerkandl wurde argumentiert, dass auch der von Hermine Müller-Hofmann getätigte Verkauf des Gemäldes an Vita Künstler keinen Zwangsakt dargestellt habe, zumal der von Künstler bezahlte Kaufpreis angemessen gewesen sei. Selbst wenn es sich um einen sogenannten Notverkauf gehandelt habe, der im Sinne des § 1 des Bundesgesetzes vom 15.5.1946, BGBl. 106/1946, als nichtig anzusehen wäre, könne im Nachhinein von einem solchen nicht mehr ausgegangen werden, weil Hermine Müller-Hofmann später keine Rückstellungsforderungen erhoben und den Eigentumsübergang ausdrücklich gebilligt habe.[9]

    In der Folge wurde das Porträt Gegenstand einer schiedsgerichtlichen Entscheidung: Am 7. Mai 2006 sprach sich das dreiköpfige Schiedsgericht (Vorsitzender Peter Rummel, Andreas Nödl, Walter H. Rechberger) gegen die Rückgabe des Gemäldes aus.

    In der Begründung folgte das Schiedsgericht weitgehend den bereits skizzierten Empfehlungen des Kunstrückgabebeirats. Im Juli desselben Jahres fochten die beiden Erb*innengruppen die Entscheidung des Schiedsgerichts beim Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen an, die Klage wurde im März 2007 abgewiesen. Eine am Oberlandesgericht eingebrachte Berufung brachte im Oktober 2007 eine neuerliche Abweisung der Klage, eine ordentliche Revision beim Obersten Gerichtshof wurde nicht zugelassen. Die klagenden Parteien brachten daraufhin im November 2007 beim Landesgericht für Zivilrechtssachen eine außerordentliche Revision gegen das Urteil des Oberlandesgerichts ein, die mit einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im April 2008 zurückgewiesen wurde. Daraufhin befasste sich der Kunstrückgabebeirat im Juni 2008 erneut mit der Causa und schloss sich inhaltlich der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs auf Ablehnung einer Restitution an.[10]

     

    Anmerkungen

    WStLA, Künstlerhaus-Archiv Wien, KH-3.A1-Klimt_051, Empfangsbestätigung, 10.8.1928; XCIX. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession. Klimt-Gedächtnis-Ausstellung (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1928, S. 13, Kat.-Nr. 58 (Damenbildnis [Besitz F. Bloch-Bauer]).

    Exposition dʼArt Autrichien (Ausst.-Kat. Musée du Jeu de Paume, Paris), Paris 1937, Kat.-Nr. 362 (Mme. M. Zuckerkandl [Vienne, Coll. M. F. Bloch-Bauer]); Oesterreichische Malerei und Plastik im 20. Jahrhundert (Ausst.-Kat. Kunsthalle Bern, August–September 1937), Bern 1937, Kat.-Nr. 6 (Bildnis der Frau M. Zuckerkandl [Wien, Präs. Ferd. Bloch-Bauer]).

    Archiv des Bundesdenkmalamtes Wien, Restitutionsmaterialien Bloch-Bauer, Karton 32, Zl. 782/1939, Aktenvermerk Josef Zykan, Zentralstelle für Denkmalschutz, 2.2.1939.

    Siehe dazu Ruth Pleyer, „‚Was blieb, war kaum „das nackte Leben“‘. Gustav Klimts ‚Bildnis der Amalie Zuckerkandl‘“, in: Verena Pawlowsky / Harald Wendelin (Hg.), Enteignete Kunst. Raub und Rückgabe. Österreich von 1938 bis heute, Wien 2006, S. 122–141.

    Ebd., S. 128f.

    Siehe dazu Vita Künstler, Erinnerungen an die Neue Galerie, Typoskript, Privatbesitz New York.

    Pleyer 2006 (wie Anm. 4), S. 137.

    Beschluss des Beirats gemäß § 3 des Bundesgesetzes vom 4.12.1998, BGBl. I, 181 (Kunstrückgabegesetz), vom 29.6.2005. Digital abrufbar unter http://www.provenienzforschung.gv.at/beiratsbeschluesse/Zuckerkandl_Amalie_2005-06-29.pdf (zuletzt besucht am 4.7.2023).

    Ebd.

    Siehe Walter H. Rechberger, „Amalie Zuckerkandl und die Rechtskraft“, in: Notariatszeitung. Monatsschrift für Notariat und Verfahren außer Streitsachen, Juni 2020, S. 207–214.


    Abbildungen

    Contact Provenance Research

    Exhibitions of the Belvedere

    Exhibitions

  • XCIX. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession, Klimt-Gedächtnis-Ausstellung, Secession, Wien 27.6.–5.8.1928
  • Exposition d’Art Autrichien, Musée du Jeu de Paume, Paris 30.4.–30.6.1937
  • Oesterreichische Malerei und Plastik im 20. Jahrhundert, Kunsthalle Bern 20.8.1937–19.9.1938
  • Entwicklung der österreichischen Kunst von 1897 bis 1938. Malerei – Plastik – Zeichnungen, Akademie der bildenden Künste, Wien März–April 1948
  • Gustav Klimt. Auf der Suche nach dem Gesamtkunstwerk, Hangaram Art Museum, Seoul Arts Center, Seoul 1.2.–15.5.2009
  • Wien 1900. Klimt, Schiele und ihre Zeit. Ein Gesamtkunstwerk, Fondation Beyeler, Riehen 26.9.2010–16.1.2011
  • Facing the Modern: The Portrait in Vienna 1900, National Gallery, London 9.10.2013–12.1.2014
  • Gustav Klimt, Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale 14.10.2018–6.1.2019
  • La Secessione e l’Italia, Museo di Roma, Palazzo Braschi, Rom 27.10.2021–27.3.2022
  • L’uomo, l’artista, il suo mondo, Galleria d’Arte Moderna Ricci Oddi / XNL, Piacenza 12.4.–24.7.2022
    • Werkverzeichnisse

    • Johannes Dobai, Das Frühwerk Gustav Klimts, ungedruckte Diss. Universität Wien 1958, Bd. 2, WVZ-Nr. 197 (Frau Prof. Otto Zuckerkandl, um 1918 [unvollendet])
    • Johannes Dobai, „Œuvrekatalog der Gemälde“, in: Fritz Novotny / Johannes Dobai, Gustav Klimt, hg. von Friedrich Welz, Salzburg 1967, WVZ- 213 (Bildnis Frau Amalie Zuckerkandl, 1917/18, unvollendet)
    • Alfred Weidinger / Michaela Seiser / Eva Winkler, „Kommentiertes Gesamtverzeichnis des malerischen Werkes“, in: Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt, München et al. 2007, WVZ-Nr. 250 (Amalie Zuckerkandl, 1917, unvollendet)
    • Tobias G. Natter (Hg.), Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Köln 2012, WVZ-Nr. 241 (Bildnis Amalie Zuckerkandl, 1917 [unvollendet])
    • Klimt-Foundation, Wien (Hg.), Gustav Klimt-Database, 2022 – laufend, https://gkdb.link/1344-9913 (Porträt Amalie Zuckerkandl, 1917/18, unvollendet)
    • Literatur

    • XCIX. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession. Klimt-Gedächtnis-Ausstellung (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1928, Kat.-Nr. 58 (Damenbildnis)
    • Exposition dʼArt Autrichien (Ausst.-Kat. Musée du Jeu de Paume, Paris), Paris 1937, Kat.-Nr. 362 (Mme. M. [sic!] Zuckerkandl)
    • Oesterreichische Malerei und Plastik im 20. Jahrhundert (Ausst.-Kat. Kunsthalle Bern), Bern 1937, Kat.-Nr. 6 (Bildnis der Frau M. [sic!] Zuckerkandl)
    • Entwicklung der österreichischen Kunst von 1897 bis 1938. Malerei – Plastik – Zeichnungen (Ausst.-Kat. Akademie der bildenden Künste, Wien), Wien 1948, S. 12
    • Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Bd. 3: 1912–1918, Salzburg 1984, S. 85
    • Gerbert Frodl, Gustav Klimt in der Österreichischen Galerie in Wien, Salzburg 1992, S. 64
    • Tobias G. Natter / Gerbert Frodl (Hg.), Klimt und die Frauen (Ausst.-Kat. Österreichische Galerie Belvedere, Wien), Köln 2000, S. 146f.
    • Tobias G. Natter, Die Welt von Klimt, Schiele und Kokoschka. Sammler und Mäzene, Köln 2003, S. 100–110
    • Ruth Pleyer, „‚Was blieb, war kaum „das nackte Leben“‘. Gustav Klimts ‚Bildnis der Amalie Zuckerkandl‘“, in: Verena Pawlowsky / Harald Wendelin (Hg.), Enteignete Kunst. Raub und Rückgabe – Österreich von 1938 bis heute, Wien 2006, S. 122–141, 254–256
    • Jane Kallir (Hg.), Gustav Klimt. Auf der Suche nach dem Gesamtkunstwerk (Ausst.-Kat. Hangaram Art Museum, Seoul Arts Center, Seoul), München et al. 2009, Kat.-Nr. 32, Abb. S. 94
    • Barbara Steffen (Hg.), Klimt, Schiele und ihre Zeit. Ein Gesamtkunstwerk (Ausst.-Kat. Fondation Beyeler, Riehen), Ostfildern 2010, S. 263, Abb. S. 55
    • Agnes Husslein-Arco / Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt. 150 Jahre (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), Wien 2012, S. 270–274, Kat.-Nr. 98 (Alfred Weidinger)
    • Gemma Blackshaw (Hg.), Facing the Modern. The Portrait in Vienna 1900 (Ausst.-Kat. National Gallery London), London 2013, Kat.-Nr. 33, S. 105
    • Stella Rollig / Alexander Klee (Hg.), Klimt ist nicht das Ende. Aufbruch in Mitteleuropa (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien; BOZAR Brüssel), München et al. 2018, Taf. S. 64
    • Christian Philipsen / Thomas Bauer-Friedrich / Wolfgang Büche, Gustav Klimt & Hugo Henneberg. Zwei Künstler der Wiener Secession (Ausst.-Kat. Kunstmuseum Moritzburg Halle an der Saale), Köln 2018, Kat.-Nr. 10, Abb. S. 95
    • Maria Vittoria Marini Clarelli, „Klimt alla Biennale di Venezia“, in: dies. / Franz Smola / Sandra Tretter (Hg.), Klimt. La Secessione e l’Italia (Ausst.-Kat. Museo di Roma, Palazzo Braschi, Rom), Mailand 2021, Kat.-Nr. IX.22, Abb. S. 226
    • Gabriella Belli / Elena Pontiggia (Hg.), Klimt. Lʼuomo, lʼartista, il suo mondo (Ausst.-Kat. Galleria dʼArte Moderna Ricci Oddi / XNL, Piacenza), Mailand 2022, Nr. VI.9, Abb. S. 241
    • Stella Rollig / Sergey Harutoonian (Hg.), Amoako Boafo. Proper Love (Ausst.- Belvedere, Wien), Köln 2024, S. 156, Taf. S. 62
    • Stella Rollig / Franz Smola (Hg.), Gustav Klimt – Pigment & Pixel (Ausst.- Belvedere, Wien), Köln 2025, S. 4045 (Stefanie Jahn)
    • Hanne Selkokari / Lene Wahlsten (Hg.), Gallen-Kallela, Klimt & Wien (Ausst.-Kat. Ateneum Art Museum, Finnish National Gallery, Helsinki), Helsinki 2025, S. 125
    Restoration

    Stefanie Jahn ORCID logo

    In diesem Porträt setzt Klimt die dargestellte Amalie Zuckerkandl auf eine sehr unmittelbare Art und Weise in einem schulterfreien Kleid in Szene. Zentral platziert, wird sie von einem türkisfarbenen Hintergrund umfangen und blickt in die Augen des Betrachters. Zwar blieb das Werk zu großen Teilen unvollendet, schenkt aber doch zahlreiche Informationen und bietet eine außerordentliche Gelegenheit zur Studie der maltechnischen Herangehensweise Klimts. Bereiche, welche ansonsten unter Ölharzfarbe verdeckt sind, liegen hier zu großen Teilen offen: Die helle Grundierung wurde mit einer im UV-Licht violett fluoreszierenden Imprimitur versehen, bevor eine detaillierte Unterzeichnung der Amalie auf Leinwand gebracht wurde. Der Künstler verbildlichte zunächst sämtliche Details des Kleides mittels Stift (vermutlich Grafit), um sie danach mittels Ölharzfarben farbig umzusetzen. Teilweise hatte er bereits damit begonnen, wie z. B. im vom Betrachter aus linken Teil des Kleides zu sehen ist (Abb. 1). Hier setzte er breite, pastose Pinselstriche in Türkis- und Rosatönen. Auch der Hintergrund wurde nicht vollendet, sondern stellt eine erste Phase der Ausarbeitung dar: Der Künstler hat hier bestimmte Bereiche frei gelassen, um sich ihnen in einer späteren Malphase zu widmen (Abb. 2). Im Gegensatz dazu weisen Haupt und Schulterbereich von Amalie Zuckerkandl einen etwas höheren Ausarbeitungsgrad auf (Abb. 3). Die Ölharzfarbe wurde in diesen Partien zur Modellierung des Körpers eingesetzt. Bei genauerer Betrachtung der Gesichtszüge im Auflicht und in der Infrarotreflektografie ist zu bemerken, dass Klimt eine kleine Veränderung mit großer Wirkung vorgenommen hat. Der Mund von Amalie wurde in der Unterzeichnung geschlossen angelegt, im Zuge der darauffolgenden Malphase jedoch leicht geöffnet (Abb. 4) (Abb. 5) Durch diesen gekonnt gesetzten Kniff scheint Klimt die Dame wahrlich im Moment eingefangen zu haben.