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Beethoven Frieze: Longing for Happiness

Beethovenfries: Die Sehnsucht nach dem Glück - nach Richard Wagners Interpretation der IX. Sinfonie von Ludwig van Beethoven
Beethoven Frieze: Longing for Happiness
Beethoven Frieze: Longing for Happiness
Gustav Klimt, Beethovenfries: Die Sehnsucht nach dem Glück - nach Richard Wagners Interpretation der IX. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, 1901/1902, Kaseinfarben, Stuckauflagen, Zeichenstift, Applikationen aus verschiedenen Materialien (Glas, Perlmutt etc.), Goldauflagen auf Mörtel, 215 x 3414 cm, Belvedere, Wien, Inv.-Nr. 5987
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  • Beethoven Frieze: Longing for Happiness

  • Date1901-1902
  • Artist Gustav Klimt (1862 Wien – 1918 Wien)
  • Object typeMural
  • MediumKaseinfarben, Stuckauflagen, Zeichenstift, Applikationen aus verschiedenen Materialien (Glas, Perlmutt etc.), Goldauflagen auf Mörtel
  • Dimensions
    215 x 3414 cm
  • Signatureunlabelled
  • Inventory number5987
  • Location Currently not on display
  • Credit LineBelvedere, Wien, Dauerleihgabe in der Secession, Wien

  • The Fourteenth Secession exhibition in 1902 was a Gesamtkunstwerk (total work of art) akin to a temple and was dedicated to Ludwig van Beethoven. Klimt created his Beethoven Frieze directly on the walls of the left side room. In this revolutionary work, the artist discarded any illusion of pictorial space. The human figure is no longer an individual but a symbolic bearer of meaning composed of lines and planes. Klimt’s pictorial program is based on Richard Wagner’s descriptive interpretation of Beethoven’s Ninth Symphony. It tells of humanity overcoming various perils in its quest for happiness. The subject of the final section in Klimt’s Beethoven Frieze is the coming together of humankind in the ideal realm of the arts.
  • Essay

    Beethovenfries
    Alexander Klee ORCID logo

    Das Konzept der Beethoven-Ausstellung 1902

    Mit ihrer 14. Ausstellung, der sogenannten Beethoven-Ausstellung, verfolgte die Wiener Secession eine vollkommen neue Art der Präsentation von Kunst. Während zu dieser Zeit üblicherweise Jurys und Hängekommissionen eine hierarchischen Gesichtspunkten folgende Anordnung der von den Künstlern eingesendeten Werke vornahmen, richtete sich diese Ausstellung an einem Thema aus. Damit wurde der Gedanke eines Gesamtkunstwerkes verwirklicht bzw. weitergehend der einer Konzeptausstellung. Von der Gestaltung der Architektur bis hin zum Katalog, den Signaturen der Künstler usw. folgte alles einem ausgefeilten Konzept, welches die Raumsituation und die Anordnung der Kunstwerke nach Größe und Thematik vorgab, die einer übergeordneten Dramaturgie folgte.

    Dies ist bei der heutigen Betrachtung des Frieses zu beachten, dessen Gestaltung nur im Kontext der ursprünglichen Ausstellungssituation zu verstehen ist (Abb. 1). Die Wandmalerei wurde auf einen vorbereiteten Untergrund aufgebracht, der aus einem Holzgerüst bestand, auf das Schilfrohrmatten als Putzträger aufgenagelt waren; diese erstreckten sich über die Gesamtlänge dreier Seiten des Raumes. Bei der, aufgrund der Konstruktion möglichen, Demontage war es jedoch notwendig, die beiden Längswände mit je 1.392 cm und die Stirnwand mit einer Länge von 630 cm in transportable Teile zu zersägen, was zur heute sichtbaren Teilung in acht Friesteile[1] führte; diese folgte somit einer praktischen Notwendigkeit, keiner künstlerischen Intention.

    Im Ausstellungskatalog erläuterten die Organisatoren das neuartige Konzept der Schau:

    „Im Sommer des vergangenen Jahres faßte die Vereinigung den Beschluß, die gewohnten wiederkehrenden Bilderausstellungen durch eine Veranstaltung anderer Art zu unterbrechen. Hatte sie die ganze Zeit her dem Vielerlei dieser Ausstellungen eine einheitliche Verbindung gegeben, fremdartige Teile harmonisch zusammengeschlossen und dadurch das Ausstellungswesen künstlerisch und im modernen Sinne möglich gemacht, so sollte diesesmal die Art gänzlich verändert werden. Ein einheitlicher Raum sollte vorerst geschaffen werden und Malerei und Bildhauerei diesen im Dienste der Raumidee dann schmücken. Hier gilt es, in gegebenen Verhältnissen, in enggezogenen Grenzen die Teile der Wirkung des Ganzen unterzuordnen. Die unerbittliche Logik zwingt zur Vertiefung in dem Raumcharakter und zum Festhalten an einer leitenden Idee. […] Die leitende Idee die unserem Unternehmen Weihe und das bindende Element geben sollte, bot sich uns in der Hoffnung, ein hervorragendes Kunstwerk zum Mittelpunkte der Ausstellung machen zu können. Das Beethovendenkmal von Max Klinger ging der Vollendung entgegen.“[2]

    Die Verherrlichung Beethovens durch Max Klinger war der Kern, um den sich die Ausstellung entwickelte (Abb. 2) (Abb. 3). Max Klinger hatte mit seiner monumentalen Skulptur einen thronenden Beethoven geschaffen, der in synkretistischer Weise Antike und Christentum verband und damit ein neues bürgerliches Ideal des gottgleichen Künstlergenies verkörperte.[3] Der symmetrisch gegliederte Ausstellungsraum in der Secession, der, vereinfacht beschrieben, aus einem Hauptraum mit zwei daran angegliederten Seitenräumen besteht, wurde in dieser Ausstellung in einen dreischiffigen Sakralraum umgedeutet. Jedoch entsprach die Dramaturgie, der das Publikum folgen sollte, der Idee eines Ausstellungkonzepts und nicht dem kirchlich-religiösen Usus, demzufolge der Zentralraum sich dem Gläubigen direkt eröffnet. Der Zutritt zur Ausstellung erfolgte vielmehr über einen Umweg von Empfangsräumen in den linken Seitenraum mit Klimts Fries. Nach diesem ersten theatralisch inszenierten Höhepunkt führte der Weg in den Hauptraum, in dem zentral Klingers Beethoven, einem Heiligen gleich, umschritten werden musste. Anschließend wandte man sich dem rechten Seitenraum zu, um von dort, durch einen weiteren Raum als Ausklang, die Ausstellung wieder zu verlassen (Abb. 4).

    Malerische und musikalische Dramaturgie

    Grundsätzlich ist Klimts Komposition durch die horizontal schwebenden Genien und senkrechte Figurengruppen gegliedert und gleicht in dieser offensichtlichen Rhythmisierung einer Symphonie. Demzufolge wäre eine analoge Gliederung zu Beethovens 9. Symphonie möglich, wobei Marian Bisanz-Prakken auch einen Austausch mit Gustav Mahler für wahrscheinlich hält.[4] Dem getragenen, feierlichen ersten Satz wären die Leiden der Schwachen und der Wohlgerüstete Starke zuzuordnen, dem schnelleren, dramatischen zweiten Satz die kurze Seite des Saals mit den Feindlichen Gewalten: den Gorgonen, Thypoeus und den Lastern. Dem dritten Satz mit seinem mäßigenden, langsamen Tempo würden die Poesie und die Künste korrespondieren, und zugleich fände seine bedeutungsvolle Getragenheit eine Entsprechung im Durchblick auf Klingers Beethovenskulptur. Diese Bedeutsamkeit kontrastiert der vierte Satz, in dem die Geschwindigkeit und das Pathos des Chorgesangs sich immer weiter zum feierlichen Höhepunkt steigern, bei Klimt versinnbildlicht durch den Chor der Engel und das innig umschlungene, in einer Art goldenen Glocke aufsteigende, entrückte Menschenpaar.

    Ikonografie des Beethovenfrieses

    Der angestrebte sakrale Charakter der 14. Ausstellung der Wiener Secession und des Beethovenfrieses im Speziellen deutet auf die Romantik mit ihrer dunklen, bedrohlichen Seite hin, die in den Geschichten E. T. A. Hoffmanns oder in den Bildern von Johann Heinrich Füssli aufscheint. So wird im Beethovenfries die unheimliche und unbewusste Seite des menschlichen Seins durch den bedrohlich wirkenden Giganten mit seinen Töchtern, den Gorgonen, sowie durch Gestalten, die auf Krankheit, Wahnsinn, Tod, Wollust, Unmäßigkeit, Unkeuschheit und nagenden Kummer Bezug nehmen, dargestellt. Über der Menschheit schweben deren personifizierte Sehnsüchte und Wünsche. Die Ängste und Bedrohungen werden schließlich im Fries in der Liebe der Menschen zueinander aufgelöst. Gemeinsam mit den Romantikern war den Secessionist*innen auch die Verknüpfung der bildenden Kunst mit der Musik, so hatte etwa bereits Philipp Otto Runge sein Hauptwerk, die Folge der Tageszeiten, wie eine Symphonie zu komponieren beabsichtigt.[5]

    Die ganzheitliche Herangehensweise der Secessionisten an diese Ausstellung, insbesondere Klimts symbolistische Deutung von Beethovens 9. Symphonie, lassen auf die Kenntnis von Richard Wagners Interpretation dieser Komposition schließen. Wagners zu einer Aufführung 1846 in Dresden verfassten programmatischen Deutung dürfte Klimt die Grundthemen seines Frieses entnommen haben, worauf Marian Bisanz-Prakken erstmals hingewiesen hat.[6]

    Wagner beabsichtigte die Verbindung von Kunst und Religion in der Verknüpfung unterschiedlichster Mythen ebenso, wie er den Gedanken eines Gesamtkunstwerkes verfolgte. Er interpretierte Beethovens Neunte nicht unter rein musikalischen Gesichtspunkten, sondern als symphonische Dichtung, die er mit seinen eigenen literarisch-philosophischen Ideen versah. Damit eröffnete er eine literarisch-inhaltliche Deutung der Musik, die Klimt in symbolistischen Themen weiterentwickelte.

    Wagner analysiert beispielsweise den ersten Satz der Symphonie so: „Ein im großartigsten Sinne aufgefaßter Kampf der nach Freude ringenden Seele gegen den Druck jener feindlichen Gewalt, die sich zwischen uns und das Glück stellt, scheint dem ersten Satze zu Grunde zu liegen. […] Diesem gewaltigen Feinde gegenüber erkennen wir einen edlen Trotz, eine männliche Energie des Widerstandes, der bis in die Mitte des Satzes sich zu einem offenen Kampfe mit dem Gegner steigert, in welchem wir zwei mächtige Ringer zu erblicken glauben, von denen jeder als unüberwindlich vom Kampfe wieder nachläßt.“[7]

    Diese inhaltliche Deutung Wagners findet sich im Katalog der Secession als erläuternder Text zum Beethovenfries paraphrasiert wieder: „Die drei bemalten Wände bilden eine zusammenhängende Folge. Erste Langwand, dem Eingang gegenüber: Die Sehnsucht nach Glück. Die Leiden der schwachen Menschheit: Die Bitten dieser an den wohlgerüsteten Starken als äußere, Mitleid und Ehrgeiz als innere treibende Kräfte, die ihn das Ringen nach dem Glück aufzunehmen bewegen.“[8]

    Wagner deutet Beethovens 9. Symphonie weiter: „So bilden Gewalt, Widerstand, Aufringen, Sehnen, Hoffen, Fast-Erreichen, neues Verschwinden, neues Suchen, neues Kämpfen die Elemente der rastlosen Bewegung dieses wunderbaren Tonstückes, welche jedoch einige Male zu jenem anhaltenden Zustande gänzlicher Freudlosigkeit herabsinkt, […] Am Schlusse des Satzes scheint diese düstere, freudlose Stimmung, zu riesenhafter Größe anwachsend, das All zu umspannen, um in furchtbar erhabener Majestät Besitz von dieser Welt nehmen zu wollen, die Gott – zur Freude schuf.“[9]

    Auch die folgende Beschreibung im Katalog paraphrasiert die Interpretation Richard Wagners und schmückt sie weitergehend symbolistisch-mythisch aus:

    „Schmalwand: Die feindlichen Gewalten. Der Gigant Typhoeus, gegen den selbst Götter vergebens kämpften; seine Töchter, die drei Gorgonen. Krankheit, Wahnsinn, Tod. Wollust und Unkeuschheit, Unmäßigkeit. Nagender Kummer. Die Sehnsüchte und Wünsche der Menschen fliegen darüber hinweg.“[10]

    Typhoeus und seinen drei Töchtern, den Gorgonen Krankheit, Wahnsinn, Tod, gesellt Klimt in seinem Fries symbolistisch die Personifikationen von Wollust, Unkeuschheit, Unmäßigkeit hinzu.[11] Nach Bisanz-Prakken fand auch diese Abfolge der Schmalwand ihre Anregung in Wagners Umschreibung: „In einzelnen Lichtblicken vermögen wir das wehmütig süße Lächeln des Glückes zu erkennen, das uns zu suchen scheint, nach dessen Besitz wir ringen und von dessen Erreichen uns jener tückische Feind zurückhält, mit seinem mächtigen Flügel uns umschattend, so daß uns selbst der Blick auf jene ferne Huld getrübt wird, und wir in finsteres Brüten zurücksinken, das sich nur wieder zum trotzigen Widerstand, zu neuem Ringen gegen den freuderaubenden Dämon zu erheben vermag.“[12]

    Auf der zweiten Langwand, unter der ein Wanddurchbruch den Blick auf Klingers Beethovenskulptur freigibt, leitet die Poesie zum Höhepunkt über, der sowohl musikalisch in Beethovens Symphonie als auch im Blick auf die Skulptur Klingers stattfindet.[13] Dem könnte ebenfalls Wagners Interpretation zugrunde liegen, der Beethovens vierten Satz folgendermaßen charakterisiert: „Sie [die Symphonie, Anm. d. Verf.] verläßt den in den drei ersten Sätzen festgehaltenen Charakter der reinen Instrumentalmusik […]; der Fortgang der musikalischen Dichtung dringt auf Entscheidung, auf eine Entscheidung, wie sie nur in der menschlichen Sprache ausgesprochen werden kann.“[14]

    Im Katalog heißt es entsprechend mit Bezugnahme auf den vierten, Schillers Ode An die Freude gewidmeten Satz: „Zweite Langwand: Die Sehnsucht nach Glück findet Stillung in der Poesie. Die Künste führen uns in das ideale Reich hinüber, in dem allein wir reine Freude, reines Glück, reine Liebe finden können. Chor der Paradiesengel ‚Freude, schöner Götterfunke‘. ‚Diesen Kuß der ganzen Welt!‘.“[15] Wie in Beethovens Symphonie zeigt Klimt in seinem Fries den Chor der Paradiesengel, vor dem sich, die Strophe wörtlich umsetzend, ein Liebespaar im Kuss umschlungen hält.

    Innerhalb der Ausstellung ordnet sich Klimts Fries der Gesamtkonzeption unter, wie dies auch der erläuternde Text im Katalog hervorhebt und beschreibt als: „Dekoratives Prinzip: Rücksichtnahme auf die Saalanlage; ornamentierte Putzflächen. Die drei bemalten Wände bilden eine zusammenhängende Folge.“[16]

    Die Materialität des Beethovenfrieses

    Ist in den frühen Werken Klimts noch das Vorbild Hans Makarts erkennbar, hat sich dies im Beethovenfries grundlegend geändert.[17] Der „Horror vacui“ ist einem Materialverständnis gewichen, das vollkommen unbearbeitete Wandflächen zulässt. Goldauflagen sind hier ebenso möglich wie andere Materialien, z. B. Glasstücke oder Messingknöpfe.[18] Die künstlerischen Mittel erhalten im Beethovenfries eine neue Wertigkeit. Die Materialien, und seien es nur einfache Knöpfe, bleiben für einen aufmerksamen Betrachter erkennbar. Noch unauffälliger, aber umso bedeutender, ist die beibehaltene Sichtbarkeit des Wandverputzes, der ein neues Verhältnis zum Material aufzeigt.[19] Die Materialgerechtigkeit, die die Schüler Otto Wagners, vor allem Josef Hoffmann, in die Secession hineintragen, wird hier deutlich. Erst der Kontrast zwischen Glanz und strenger Nüchternheit macht den Umbruch offensichtlich. Gleichzeitig verstärkt der Rückgriff auf diese Form der Seccomalerei die Wiederbelebung des Kunsthandwerks aus mittelalterlichen bzw. frühchristlichen Traditionen, ohne diese zu kopieren.

    Für die Secession besaß die Handwerklichkeit besondere Bedeutung, aus deren Belebung man sich neue künstlerische Ansätze erwartete. Mit der Kombination von Malerei und Materialkunst im Beethovenfries beschreitet Klimt neue Wege. Der harte Kontrast zwischen bemalten Flächen und Materialien – vor allem zwischen leeren weißen Flächen und Gold – spiegelt ein neues Materialverständnis wider, welches auf die Auseinandersetzung mit japanischer Kunst zurückzuführen ist.[20] Gold wandten die Secessionisten ohne ikonografische Bindung, frei als Gestaltungsmittel an, indem es gleichwertig mit Farbe und anderen Materialien eingesetzt wurde. Dagegen folgt das Zentrum der Ausstellung, Klingers Beethovendenkmal, in der Kombination verschiedenster Materialien noch einem ikonologischen Konzept.[21] Klimts intensive Verwendung von Gold unterstützt die von Otto Wagner geforderte „tafelförmige Durchbildung der Fläche, die größte Einfachheit der Konzeption und ein energisches Vortreten von Konstruktion und Material“,[22] d. h. den Verzicht auf eine illusionistische Räumlichkeit in der Wandgestaltung. Die Wirkung, in der vor allem im Beethovenfries hell glänzende, das Licht sammelnde vergoldete Flächen vor den matten, Licht aufnehmenden Wandbewurf treten, gleicht einer nüchternen Analyse der künstlerischen Mittel und ihrer Möglichkeiten.

    Die Sichtbarkeit und Bedeutung des Materials, d. h. der künstlerischen Mittel, im Beethovenfries dokumentiert den Paradigmenwechsel von der idealistischen Ästhetik, die sich noch im Historismus mit der Materialverleugnung von der Natur distanzieren wollte,[23] hin zu einer Ästhetik des Materials, sei es natürlichen Ursprungs wie Holz, Stein und Gold oder artifiziell wie Stahl, Beton und Kunststoff.

    Künstlerische Bezugnahmen

    Klimt greift im Beethovenfries auf schon gefundene Bildmotive aus seinem eigenen Werk zurück, bezieht jedoch auch komplett neue Lösungen in seine Bildsprache ein, zu denen er von Werken anderer Künstler*innen angeregt wurde. So findet sich der Kithara-Spieler schon in Klimts Bildnis des Josef Pembaur von 1890, welches eine genaue Kenntnis antiker griechischer rotfiguriger und schwarzfiguriger Vasenmalerei belegt.[24] Neben den Vorgaben des architektonischen Konzepts besitzt auch die ausgeprägte Linearität der antiken Vasenmalerei eine besondere Bedeutung für den Beethovenfries. Die Kontur der schwebenden Genien oder der leidenden Schwachen bezieht, wie bei antiker Vasenmalerei, den Untergrund ein.

    Aber auch die internationalen Kollegen, wie Auguste Rodin oder besonders Jan Toorop, waren Klimt wohlvertraut.[25] Dies wird insbesondere an der ornamentalen Interpretation der langen Haartrachten offensichtlich. Solche fanden sich beispielsweise in Toorops Zeichnung Die Sphinx (Abb. 5), die im März 1899 im Künstlerhaus in Wien zu sehen war.[26] Diese Linearität und Rhythmisierung durch die Haartracht prägen viele Werke Toorops und werden von Klimt sehr pointiert angewendet. So wiederholt sich die Haartracht der Genien in Form und Linearität, vergleichbar einer musikalischen Akzentsetzung. Dem Horror vacui, welcher Toorops Bilder prägt, entspricht die zweite Wand des Frieses mit dem Ungeheuer Typheus, den Gorgonen und den Lastern, in denen die Menschen gefangen sind. Auf der letzten langen Wand wechseln die auf horizontal geschwungenen Linien schwebenden Genien zur vertikal erhobenen Menschheit, die durch die Künste befreit wurde. Die Erlösung symbolisiert ein eng umschlungenes Paar, dessen Beine wiederum durch Haare zu einer Einheit verbunden sind. Der dahinterstehende Chor weist Ähnlichkeiten zu Ferdinand Hodlers Gemälde Der Auserwählte auf. Die knienden Figuren, welche Die Leiden der Schwachen symbolisieren, weisen Bezüge zu George Minnes Skulptur Kniender Jüngling auf, die in verschiedenen Ausführungen in mehreren Sammlungen im Umkreis der Secession vorhanden war.[27] Ebenso ist der Einfluss von Margaret Macdonald Mackintosh erkennbar, die mit beispielgebenden Reliefs 1900 in der Secession ausgestellt war (Abb. 6) und für den Musiksalon Fritz Wärndorfers ein solches Relief anfertigte.[28] Die Breite des Vokabulars, dessen sich Klimt im Beethovenfries bedient, wird auch an der Rüstung deutlich, die Der wohlgerüstete Starke trägt und deren Vorbild sich im Kunsthistorischen Museum befindet. Deren Ornamentik, insbesondere die des Helms, fließt in die Darstellung ein und wird zugleich variiert.[29] Der offensichtliche Einfluss japanischer und byzantinischer Ornamentik als weiterer Inspirationsquellen sei hier nur erwähnt.

    Bedeutung für Klimts Werk

    Die Arbeit am Beethovenfries hatte nachhaltige Auswirkungen auf Klimts weiteres Schaffen. Die starke Betonung der Kontur und der Linie sowie die Verwendung von Gold als bildkonstituierende Elemente stellten einen Einschnitt im Werk dar und sollten sein Schaffen der nächsten Jahre prägen. Die zunehmende Bedeutung der Fläche und der Beginn seiner Goldenen Periode sind mit dem Beethovenfries somit aufs Engste verknüpft.

    Anmerkungen

    Manfred Koller schreibt von ursprünglich sieben Teilen. Das 400 cm lange unbemalte Putzstück wurde nicht bewahrt. Manfred Koller, „Zur Technik und Erhaltung des Beethovenfrieses“, in: Stephan Koja (Hg.), Gustav Klimt. Der Beethoven-Fries und die Kontroverse um die Freiheit der Kunst (Ausst.-Publ. Fundacion Juan March, Madrid), München et al. 2006, S. 163.

    XIV. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien. Klinger. Beethoven (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1902, S. 9–11.

    Stephan Koja, „,… so ziemlich die übelsten Frauenzimmer, die ich je gesehen …‘. Gustav Klimts Beethoven-Fries. Entstehung und Programm“, in: ders. (Hg.), Gustav Klimt. Der Beethoven-Fries und die Kontroverse um die Freiheit der Kunst (Ausst.-Publ. Fundacion Juan March, Madrid), München et al. 2006, S. 85.

    Marian Bisanz-Prakken, Der Beethovenfries. Geschichte, Funktion und Bedeutung, Wien 1977, S. 32f. Vgl. Richard Wagner, „Bericht über die Aufführung der Neunten Symphonie von Beethoven im Jahre 1846 in Dresden nebst Programm dazu“, in: ders., Gesammelte Schriften und Dichtungen, Leipzig 1871, Bd. 2, S. 73–84.

    Klaus Lankheit, „Die Frühromantik und die Grundlagen der ‚gegenstandslosen‘ Malerei“, in: Neue Heidelberger Jahrbücher, Neue Folge, 1951, S. 68.

    Marian Bisanz-Prakken, Der Beethovenfries. Geschichte, Funktion und Bedeutung, Wien 1977, S. 32f. Vgl. Richard Wagner, „Bericht über die Aufführung der Neunten Symphonie von Beethoven im Jahre 1846 in Dresden nebst Programm dazu“, in: ders., Gesammelte Schriften und Dichtungen, Leipzig 1871, Bd. 2, S. 73–84.

    Bisanz-Prakken 1977 (wie Anm. 4), S. 32. Vgl. Wagner 1871 (wie Anm. 4), S. 76.

    XIV. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien. Klinger. Beethoven (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1902, S. 25.

    Bisanz-Prakken 1977 (wie Anm. 4), S. 32. Vgl. Wagner 1871 (wie Anm. 4), S. 76f.

    XIV. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien. Klinger. Beethoven (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1902, S. 26.

    Ebd.

    Bisanz-Prakken 1977 (wie Anm. 4), S. 32. Vgl. Wagner 1871 (wie Anm. 4), S. 76.

    XIV. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien. Klinger. Beethoven (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1902, S. 26.

    Wagner 1871 (wie Anm. 4), S. 80.

    XIV. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien. Klinger. Beethoven (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1902, S. 26.

    Ebd.

    Alexander Klee, „Die Verwendung von Gold – Symptom eines Paradigmenwechsel in der Materialästhetik des 19. Jahrhunderts?“, in: Agnes Husslein-Arco / Thomas Zaunschirn (Hg.), Gold (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), München et al. 2012, S. 56–63.

    Alfred Weidinger / Michaela Seiser / Eva Winkler, „Kommentiertes Gesamtverzeichnis des malerischen Werkes“, in: Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt, München et al. 2007, S. 271, WVZ-Nr. 153.

    Der Putz kommt mit seinen Qualitäten im Fries differenziert zum Tragen, indem er mal gröber, mal feiner, glatt oder offen strukturiert die Intentionen der Malerei unterstützt. Ivo Hammer, „110 Jahre Beethovenfries von Gustav Klimt“, in: Agnes Husslein-Arco / Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt – Josef Hoffmann. Pioniere der Moderne (Ausst.-Kat Belvedere, Wien), München et al. 2011, S. 141f.

    Die Secession stellte im Frühjahr 1900, in ihrer 6. Ausstellung, japanische Kunst aus der Sammlung Adolf Fischer aus.

    Günter Bandmann, „Der Wandel der Materialbewertung in der Kunsttheorie des 19. Jahrhunderts“, in: Helmut Koopmann / Josef Adolf Schmoll gen. Eisenwerth (Hg.), Beiträge zur Theorie der Künste im 19. Jahrhundert, Bd. 1, Frankfurt a. M. 1971, S. 141.

    Otto Wagner, Die Baukunst unserer Zeit, hg. von Eva Winkler, Wien 2008, S. 185.

    Bandmann 1971 (wie Anm. 20), S. 157.

    Stella Rollig / Tobias G. Natter (Hg.), Klimt und die Antike. Erotische Begegnungen (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), München et al. 2017, S. 106f. sowie S. 124–131 (Stephanie Auer).

    Marian Bisanz-Prakken, „Klimt und die internationale Kunst um 1900“, in: Stella Rollig / Markus Fellinger / Emilie Gordenker / Edwin Becker (Hg.), Klimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam; Belvedere, Wien), München et al. 2022, S. 140–160.

    Marian Bisanz-Prakken / Hans Janssen / Gerard van Wezel, Toorop / Klimt. Toorop in Wenen. Inspiratie voor Klimt (Ausst.-Kat. Gemeentemuseum, Den Haag), Zwolle 2006, S. 138.

    Ebd., S. 183–185.

    Markus Fellinger, „Gustav Klimts Rezeption der internationalen Moderne“, in: Stella Rollig / Markus Fellinger / Emilie Gordenker / Edwin Becker (Hg.), Klimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam; Belvedere, Wien), München et al. 2022, S. 76f.

    Koja 2006 (wie Anm. 3), S. 131.


    Abbildungen

    • 1903 Carl Reininghaus, Wien.
    • 1915 August und Serena Lederer, Wien.
    • 1936 Serena Lederer, Wien.
    • 1943 Erich Lederer, Genf
    • 1972 Ankauf durch Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung für Österreichische Galerie
    Contact Provenance Research

    Exhibitions of the Belvedere

    Exhibitions

    • 14. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien. Klinger. Beethoven, Secession, Wien 15.4.–27.6.1902
    • 18. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs, Kollektiv-Ausstellung Gustav Klimt, Secession, Wien 15.11.1903–6.1.1904
    • Ausstellung von Erwerbungen und Widmungen zu Gunsten der öffentlichen Sammlungen des Vereins der Museumsfreunde Wien 1912–1936 sowie von Kunstwerken aus Privatbesitz, Secession, Wien 24.9.–1.11.1936 (unvollständig)
    • Gustav Klimt. Ausstellung (Gedächtnisausstellung), Ausstellungshaus Friedrichstraße (Secession), Wien 7.2.–14.3.1943 (Tafeln Mein Reich ist nicht von dieser Welt und Sehnsucht nach Glück)
    • Traum und Wirklichkeit. Wien 1870–1930, Secession, Wien 28.3.–6.10.1985
    • Rémy Zaugg, Secession, Wien 22.12.1992–24.1.1993
    • Close-up. Gustav Klimt. Gerwald Rockenschaub. Plattform, Secession, Wien 23.3.2012–7.4.2013
    • Artists and Poets, Secession, Wien, 12.2.–12.4.2015

      Werkverzeichnisse

    • Johannes Dobai, Das Frühwerk Gustav Klimts, ungedruckte Diss. Universität Wien 1958, Bd. 2, WVZ-Nr. 110
    • Johannes Dobai, „Œuvrekatalog der Gemälde“, in: Fritz Novotny / Johannes Dobai, Gustav Klimt, hg. von Friedrich Welz, Salzburg 1967, WVZ-Nr. 127 (Beethovenfries, 1902)
    • Alfred Weidinger / Michaela Seiser / Eva Winkler, „Kommentiertes Gesamtverzeichnis des malerischen Werkes“, in: Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt, München et al. 2007, WVZ-Nr. 153 (Beethovenfries, 1901/02)
    • Tobias G. Natter (Hg.), Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Köln 2012, WVZ-Nr. 141 (Beethovenfries, 1901/02)
    • Klimt-Foundation, Wien (Hg.), Gustav Klimt-Database, 2022 – laufend, https://gkdb.link/5262-6701; https://gkdb.link/3384-1462; https://gkdb.link/2887-3606; https://gkdb.link/2857-1769; https://gkdb.link/2898-9914; https://gkdb.link/4934-8711; https://gkdb.link/4394-3393; https://gkdb.link/4135-6204 (Der Beethovenfries, 1901/02)
    • Literatur

    • XIV. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien. Klinger. Beethoven (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1902, S. 25f.
    • Ernst Stöhr, „Unsere XIV. Ausstellung“, in: XIV. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien. Klinger. Beethoven (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1902, S. 9–12
    • Ludwig Hevesi, „Sezession“ (18.4.1902), in: ders., Acht Jahre Secession (März 1897 – Juni 1905). Kritik – Polemik – Chronik, Wien 1906, S. 390–393
    • Joseph August Lux, „Klingers Beethoven und die moderne Raumkunst“, in: Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. 10, 1902, S. 480–484
    • Hermann Ubell, „Klinger’s Beethoven in der Wiener Secession“, in: Die Gegenwart, Bd. 61, Nr. 29, 1902, S. 42
    • Ver Sacrum, 5. Jg., Heft 11, 1902, Sonderheft zur Beethoven-Ausstellung, S. 158–192
    • Berta Zuckerkandl, „Klingers Beethoven in der Wiener Secession“, in: Die Kunst für Alle, 17. Jg., 1901/02, S. 385–388
    • Hermann Bahr, Gegen Klimt. Historisches – Philosophie – Medizin – Goldfische – Fries, Wien / Leipzig 1903, S. 67–75
    • XVIII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs Secession. Kollektiv-Ausstellung Gustav Klimt (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1903, Kat.-Nr. 11
    • Franz Servaes, „Klimt-Ausstellung (Secession)“, in: Neue Freie Presse. Abendblatt, 23.11.1903, S. 3
    • Serge Sabarsky (Hg.), Gustav Klimt (Ausst.-Kat. Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel), Brüssel 1987, Kat.-Nr. 24
    • Wien 1900. Kunst & Design (Ausst.-Kat. Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk), Humlebæk 1991, Kat.-Nr. 7, Abb. S. 23
    • Ludwig Hevesi, „Modern Painting in Austria“, in: The Studio. An Illustrated Magazine of Fine and Applied Arts, Special Number: The Art-Revival in Austria, hg. von Charles Holme, London / Paris / New York 1906, S. A vi
    • Eduard Pötzl, „Moderner Gschnas“, in: ders., Gesammelte Skizzen, Bd. 13, Wien 1906, S. 49–57
    • Ludwig Hevesi, „Gustav Klimt und die Malmosaik“ (August 1907), in: ders., Altkunst – Neukunst, Wien 1894–1908, Wien 1909, S. 210f.
    • Hugo Haberfeld, „Gustav Klimt“, in: Die Kunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst, 13. Jg., 1911/12, Heft 4, Januar 1912, S. 178
    • Arpad Weixlgärtner, „Gustav Klimt“, in: Die Graphischen Künste, 35. Jg., 1912, S. 55
    • Galerie H. O. Miethke (Hg.), Das Werk Gustav Klimts, Wien 1908–1914, 5. Lieferung (1914), Taf. 3, 4
    • Ida Foges, „Klimt. Persönliche Erinnerungen Egon Schieles“, in: Neues Wiener Journal, 4.3.1918, S. 3
    • Max Eisler, Gustav Klimt, Wien 1920, S. 3040
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    • Gustav Klimt. Ausstellung (Ausst.-Kat. Ausstellungshaus Friedrichstraße, Wien), Wien 1943, Kat.-Nrn. 39 (Tafel Mein Reich ist nicht von dieser Welt) und 46 (Tafel Sehnsucht nach Glück)
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    • Robert Waissenberger (Hg.), Traum und Wirklichkeit. Wien 1870–1930 (Ausst.-Kat. Historisches Museum der Stadt Wien), Wien 1985, Kat.-Nr. 16/1
    • Marian Bisanz-Prakken, „Der Beethovenfries von Gustav Klimt in der XIV. Ausstellung der Wiener Secession (1902)“, in: Robert Waissenberger (Hg.), Traum und Wirklichkeit. Wien 1870–1930 (Ausst.-Kat. Historisches Museum der Stadt Wien), Wien 1985, S. 528–543
    • Ivo Hammer / Manfred Koller, „Zu Technik und Restaurierung von Klimts Beethovenfries“, in: Robert Waissenberger (Hg.), Traum und Wirklichkeit. Wien 1870–1930 (Ausst.-Kat. Historisches Museum der Stadt Wien), Wien 1985, S. 544–557
    • Rémy Zaugg. Eine Ausstellung der Wiener Secession und der Österreichischen Galerie (Ausst.-Kat. Secession, Wien), Wien 1992, S. 5
    • Clare A. P. Willsdon, „Klimt’s Beethoven Frieze. Goethe, Tempelkunst and the fulfilment of wishes“, in: Art History, Bd. 19, Nr. 1, März 1996, S. 44–73
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    • Susanne Koppensteiner (Hg.), Secession – Gustav Klimt – Beethovenfries, Wien 2002
    • Tobias G. Natter, Die Galerie Miethke. Eine Kunsthandlung im Zentrum der Moderne (Ausst.-Kat. Jüdisches Museum der Stadt Wien), Wien 2003, S. 91
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    • Stephan Koja (Hg.), Gustav Klimt. Der Beethoven-Fries und die Kontroverse um die Freiheit der Kunst (Ausst.-Publ. Fundacion Juan March, Madrid), München et al. 2006
    • Manfred Koller, „Zur Technik und Erhaltung des Beethovenfrieses“, in: Stephan Koja (Hg.), Gustav Klimt. Der Beethoven-Fries und die Kontroverse um die Freiheit der Kunst (Ausst.-Publ. Fundacion Juan March, Madrid), München et al. 2006, S. 155–168
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    • Alessandra Comini, The Changing Image of Beethoven. A Study in Mythmaking, Santa Fe 2008, S. 388–415
    • Annette Vogel (Hg.), Gustav Klimt. Beethovenfries. Zeichnungen (Ausst.-Kat. Stadthalle Balingen), München 2010
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    • Stefan Lehner, „Die Beethoven-Ausstellung 1902. Eine Dokumentation“, in: Agnes Husslein-Arco / Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt. 150 Jahre (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), Wien 2012, S. 50–115
    • Secession, Wien (Hg.), Ich möchte Teil einer Jugendstilbewegung sein. Der Beethovenfries, Wien 2012
    • Annette Vogel (Hg.), Gustav Klimt. Disegni intorno al Fregio di Beethoven (Ausst.-Kat. Spazio Oberdan, Mailand), Mailand 2012
    • Stella Rollig / Tobias G. Natter (Hg.), Klimt und die Antike. Erotische Begegnungen (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), München et al. 2017, S. 124–131 (Stephanie Auer)
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    • Emmelyn Butterfield-Rosen, Modern Art & The Remaking of Human Disposition, Chicago / London 2021, S. 101–163
    • Markus Fellinger, Gustav Klimt. Im Zentrum der Wiener Moderne, Wien 2022, S. 67–71
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    • Markus Fellinger, „Gustav Klimts Rezeption der internationalen Moderne“, in: Stella Rollig / Markus Fellinger / Emilie Gordenker / Edwin Becker (Hg.), Klimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam; Belvedere, Wien), München et al. 2022, S. 76f.
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    Der Bildträger des Beethovenfrieses war nicht für den dauerhaften Erhalt des Werkes konstruiert worden. Als Teil der Ausstellungsarchitektur der 14. Ausstellung der Secession bestand er aus einer offenen Unterkonstruktion aus sägerauen Holzlatten. Darüber wurden Matten aus Schilfrohr befestigt. Der erste Unterputz bestand aus kräftig angeworfenem Kalk, Sand und Gipsgemisch und diente als Basis für alle weiteren Beschichtungen. Als Träger der Malschichten folgte der Feinputz, dessen unterschiedliche Oberflächenstruktur – rau gerieben, geglättet oder durch Werkzeug wieder aufgerissen – selbst Teil der Darstellung wurde. Klimt erarbeitete ein detailliertes Konzept, indem er hunderte von Skizzen anfertigte. Zur Übertragung seiner wohlgeplanten Kompositionen auf den Feinputz nutzte er 1:1 große Ausführungsskizzen, die er mittels Rasterübertragung, Rasternetz mit Schlagschnur und Kartonpausen transferierte. Klimt zeichnete dann die Darstellungslinien mit Kohle aus. Ritzungen in den Putz wie auch geklebte Applikationen (Tapeziernägel, Spiegelstücke, Perlmutt, geschliffenes farbiges Glas) und Reliefstuck aus Kreidegrund (Pastiglia) wurden ebenfalls Teil der Darstellung. Im nächsten Arbeitsschritt erfolgten Metallauflagen mit Blattgold und Blattaluminium. Flächenfüllend malte Klimt mit Kaseinfarben nur die Untermalungen. Überdies vollendete er den Fries mit farbigen Lasuren, Grafitzeichnungen, Pastellstiften und farbigen Stift- und Pinselstrichen. Die künstlerische Differenziertheit der malerischen Umsetzung zeigt sich in der Feinheit der Ausführung. Die bindemittelarme Malerei wirkt matt. Im Kontrast dazu glänzen die Metallauflagen und Applikationen. Variationsreiche Musterrapporte stehen neben gezeichneten und im Naturton des Feinputzes belassenen Körpern. Indem Klimt die unterschiedlichen Materialien gezielt einsetzte, schuf er eine lebendige Oberfläche von großer Vielfalt (Abb. 1) (Abb. 2) (Abb. 3).