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Male Nude

The image depicts a male nude. The person is standing on a pedestal and is leaning on a box with one arm. The body is positioned in a contrasting pose, with one foot resting on a box. The man has a beard and short hair. The background of the image consists of different planes, creating a simple yet effective composition.

[AI-generated with ChatGPT]
Male Nude
The image depicts a male nude. The person is standing on a pedestal and is leaning on a box with one arm. The body is positioned in a contrasting pose, with one foot resting on a box. The man has a beard and short hair. The background of the image consists of different planes, creating a simple yet effective composition.

[AI-generated with ChatGPT]
Gustav Klimt, Männlicher Akt, 1883, Öl auf Leinwand, 68 x 54,8 cm, Belvedere, Wien, Inv.-Nr. 5992
Diese Bilddateien werden ausschließlich für privaten Gebrauch zur Verfügung gestellt. Für jegliche Art von Veröffentlichung/ kommerzieller Nutzung kontaktieren Sie bitte unsere Reproabteilung.
  • Male Nude

  • Date1883
  • Artist Gustav Klimt (1862 Wien – 1918 Wien)
  • Object typePainting
  • MediumOil on canvas
  • Dimensions
    68 × 54,8 cm
  • SignatureSign. rechts unten: G Klimt.
  • Inventory number5992
  • Location Currently not on display

  • This study of a male nude is one of the earliest known paintings by Gustav Klimt. It is a prime example of academic teaching. Klimt was a student in the decorative painting class at the Imperial and Royal Arts and Crafts School in Vienna and thus had access to academic training as a history painter. Works such as this were not intended to be sold on the art market, but were created as practice pieces. The model is kneeling on plain, stacked wooden crates in an unadorned studio space. With his right hand in a defensive position, the pose is reminiscent of figures found on ancient battle sarcophagi. Klimt thus studied a classical pictorial formula in the most naturalistic way possible.
  • Essay

    Männlicher Akt
    Markus Fellinger ORCID logo

    Beschreibungen

    Auf einem runden Podest sind einige Holzkisten gestapelt, auf denen sich das nackte Aktmodell – ein schlanker, kräftig gebauter Mann mit Vollbart – mit dem rechten Knie und der rechten Hand abstützt. Der Mann posiert völlig nackt, nichts verhüllt in der frontalen Ansicht seinen Körper. Ganz im Gegensatz zum profanen Realismus der Darstellung steht die Pose des Modells. Den linken Arm hält er über dem Kopf und stützt ihn offenbar darauf ab, die Hand zur Faust geballt, als ob er etwas damit halten würde. Mit dieser Abwehrhaltung erinnert er an Figuren von antiken Schlachtensarkophagen (Abb. 1). Klimt studierte hier also auf möglichst naturalistische Weise eine klassische Bildformel.

    Spannung bringt neben der Pose der Figur auch deren Bezug zum Hintergrund ins Bild. Die Figur wird von einer Wand hinterfangen, die im unteren Bereich rot und darüber grau gestrichen ist. Diese Wand endet aber noch vor dem linken Bildrand, wodurch sich links der vertikale Streifen eines anschließenden dunklen Raumes öffnet, in welchem sich rechts eine schwarze Türöffnung erahnen lässt. Diesen Bereich hatte Klimt ursprünglich anders geplant, wie die kunsttechnologischen Untersuchungen ergeben haben.

    Entstehung und Hintergrund

    Die männliche Aktstudie ist eines der frühesten Gemälde Gustav Klimts. Es handelt sich um ein typisches Beispiel aus dem akademischen Lehrbetrieb. Nachdem Klimt seit 1876 an der k. k. Kunstgewerbeschule in Wien die zweijährige Vorbereitungsschule im Zeichnen absolviert hatte, wurde er im Herbstsemester 1878 auf Empfehlung des Direktors der Kunstgewerbeschule Rudolf von Eitelberger in Ferdinand Laufbergers Klasse für Malerei aufgenommen und mit einem Stipendium unterstützt.[1] Damit erhielt er Zugang zu einer akademischen Ausbildung zum Historienmaler, die mit derjenigen an der renommierten Akademie der bildenden Künste vergleichbar war. Noch in Laufbergers Klasse tat sich Gustav Klimt mit dem ein Jahr jüngeren Bruder Ernst und dem gemeinsamen Freund Franz Matsch zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, die auch nach Beendigung des Studiums noch fast ein Jahrzehnt lang Bestand hatte und heute unter dem Namen „Künstler-Compagnie“ bekannt ist. Obwohl die drei Künstler im Sommer 1881 (bzw. 1882 im Fall von Ernst Klimt) ihr Studium hätten abschließen können und zugleich Professor Laufberger starb, verlängerten sie noch bis Sommer 1883 in der Klasse von dessen Nachfolger Julius Victor Berger, wo sie in einem eigenen Atelier gemeinsam arbeiten konnten.[2]

    Im Gegensatz zum Studium an der Akademie der bildenden Künste war die Ausbildung an der Kunstgewerbeschule weniger auf die klassische Tafelmalerei, sondern vor allem auf die Ausstattung von repräsentativen Gebäuden mit dekorativen Wand- und Deckengemälden in sämtlichen Stilrichtungen des Historismus ausgelegt.[3] Gefragt war hier weniger der Typus des Künstlergenies, sondern des gut ausgebildeten und handwerklich soliden Ausstattungsmalers, der die Wünsche seiner Auftraggeber schnell, günstig und trotzdem kreativ ausführen konnte. Ein gründliches Studium im Aktzeichnen war dafür ebenso unentbehrlich wie Erfahrung in Porträt und Stillleben. Die Ausbildung im Zeichnen des nackten lebenden Modells wurde seit der Renaissance als zentraler Teil der Ausbildung in der (Historien-)Malerei betrachtet. Nach den Lehren der akademischen Malerei wirkten Figuren dann am überzeugendsten, wenn sie vom Künstler zuerst nach einem Aktmodell nackt gezeichnet und erst danach vom Maler bekleidet werden.[3] An den Akademien und Kunstschulen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde das Aktzeichnen und -malen überwiegend in eigenen Kursen gelehrt, die im Normalfall mehrmals pro Woche angeboten wurden und oft auch Gaststudent*innen zugänglich waren (Abb. 2). Die Übung bestand in der detailgetreuen Darstellung der nackten menschlichen Figur, wobei insbesondere die Anatomie des Muskelapparats in der jeweiligen Körperhaltung des Modells studiert und korrekt wiedergegeben werden sollte (Abb. 3).

    Arbeiten wie der Männliche Akt dienten Studienzwecken, zum Verkauf am Kunstmarkt waren sie nicht vorgesehen. Sofern sie nicht überhaupt vernichtet wurden, blieben sie meist im Besitz der Künstler*innen und gelangten meist erst aus deren Nachlass an die Öffentlichkeit. Daraus erklärt sich auch die völlige Vernachlässigung eines ästhetischen Anspruchs in dieser Studie. Weder ist das grobschlächtig wirkende vollbärtige Gesicht irgendwie geschönt, noch wird das geringste Bemühen gezeigt, den frontalen Anblick der Genitalien im Zentrum des Bildes in irgendeiner Weise zu kaschieren.

    Einordnung ins Gesamtwerk

    Derzeit (Stand 2025) sind neben dem Bild des Belvedere zwei weitere gemalte Männerakte Gustav Klimts aus der Zeit seines Studiums an der Kunstgewerbeschule bekannt, wovon einer von Klimt signiert und mit 1883 datiert wurde (Abb. 4).[4] Er ist dem Männerakt des Belvedere sehr ähnlich, weshalb für diesen dieselbe Entstehungszeit angenommen wird. Daneben sind einige weitere Männerakte in Bleistift und Farbstiften bekannt, von denen die frühesten schon 1879 datieren. Auch Franz Matsch, Ernst Klimt und andere Mitschüler schufen gleichartige Studien, häufig nach denselben Modellen, bei denen ohne eine Signatur die Autorschaft nur schwer zu unterscheiden ist (Abb. 5).[5] Die Tatsache, dass von Gustav Klimt nur Männerakte und keine weiblichen Akte in dieser Form erhalten sind, legt die Vermutung nahe, dass den meist noch minderjährigen Studenten der Kunstgewerbeschule (die zweijährige Vorbereitungsschule wurde üblicherweise nach dem Abschluss der Volks- und Bürgerschule mit 14 Jahren besucht, die folgenden Spezialschulen für Malerei, Skulptur, Architektur ab dem 17. Lebensjahr) keine weiblichen Aktmodelle zugeteilt wurden, was von Franz Matsch in seinen Memoiren bestätigt wird.[6]

    Die erworbenen Fertigkeiten demonstrierte Klimt nach dem Studienabschluss in Frühwerken wie der Allegorie der Idylle von 1884, die zwei muskulöse Männerakte und die nackten Figuren einer Frau und zweier Kinder zeigt (Abb. 6).[7] Auch in den großen dekorativen Aufträgen der folgenden Jahre spielen Männerakte mehrfach eine wichtige Rolle, so etwa in den Wand- und Deckenbildern des Stadttheaters in Rijeka (1885, Abb. 7) und des Wiener Burgtheaters (1886–88). Klimts Interesse am männlichen Akt lässt in der Folge allerdings stark nach, bevor in den Jahren um 1900 mit den Fakultätsbildern Die Philosophie, Die Medizin und Die Jurisprudenz eine neue Phase intensiver Beschäftigung mit diesem Motiv einsetzt.

    Anmerkungen

    Zu Klimts Ausbildung und Lehrern siehe: Otmar Rychlik, Klimts Lehrer 1876–1882. Sieben Jahre an der Kunstgewerbeschule (Ausst.-Publ. MAK, Wien), Wien 2021, S. 33–136.

    Ebd., S. 25.

    Vgl. z. B. Leon Battista Alberti, Drei Bücher über die Malerei [Della pictura libri tre], in: Leone Battista Alberti’s kleinere Kunsttheoretische Schriften, übers. und hg. von Hubert Janitschek, Wien 1877, S. 110–111. Alberti empfiehlt sogar, zunächst das Skelett zu malen, darüber dann Fleisch und Sehnen, dann die Haut, um anatomisch überzeugende Körperformen produzieren zu können.

    https://gkdb.link/4832-1930; https://gkdb.link/4744-8384 (beide zuletzt besucht am 5.1.2026).

    Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Bd. 1: 1878–1903, Salzburg 1980, S. 15–23, WVZ-Nrn. 3–24.

    Alfred Weidinger, „Ernst Klimt – Aspekte eines kurzen Künstlerlebens“, in: Agnes Husslein-Arco / Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), Weitra 2007, S. 93.

    Franz Matsch, Autobiographische Skizzen, unveröffentlichtes Manuskript, o. J. [um 1935], Archiv des Belvedere, S. 19. Matsch berichtet davon, dass Prof. Laufberger ihm und den Brüdern Klimt erstmals das Zeichnen nach einem weiblichen Aktmodell in seinem persönlichen Atelier ermöglicht habe. Ein in früheren Werkverzeichnissen als Werk Gustav Klimts angeführter Frauenakt im gleichen Stil (Tobias G. Natter, Gustav Klimt, Köln 2012, Nr. 19; https://gkdb.link/7543-2329 [zuletzt besucht am 5.1.2026]) muss inzwischen seinem Bruder Ernst zugeschrieben werden und entstand wohl mehrere Jahre nach dem Studienabschluss als Vorlage für dessen um 1890 entstandenes Gemälde Pan und Nymphe. Das Modell ist durch den Vergleich mit zeitnah entstandenen Porträts und Fotografien als Ernst Klimts Ehefrau Helene Flöge identifizierbar.

    https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/42859-idylle-vorlage-zu-allegorien-und-embleme-nr-75/. (zuletzt besucht am 5.1.2026).


    Abbildungen

    • [1] Archiv des Belvedere, Wien, Zl. 824/1973; im Erwerbungsakt wird Walter Reinhardt als Eigentümer genannt.
    • [2] Archiv des Belvedere, Wien, Zl. 824/1973; im Erwerbungsakt wird Walter Reinhardt als Eigentümer genannt.
    Further Notes

    Markus Fellinger ORCID logo

    Das Bild gelangte 1923 in eine Auktion des Dorotheums.[1] Wer das Bild einbrachte, ist nicht eruierbar, es handelte sich aber möglicherweise um eine*n der Erb*innen Klimts. Vor allem die Schwestern Hermine und Klara Klimt verkauften fast ihren gesamten Anteil am Erbe des Bruders bereits in den 1920er und 1930er Jahren im Kunsthandel. Das Bild ist in Johannes Dobais Werkverzeichnis von 1967 nicht aufgeführt, allerdings listet es Dobai im Werkverzeichnis seiner Dissertation aus dem Jahr 1958 mit Verweis auf die Auktion 1923 unter den damals verschollenen Werken auf.[2] Erster namentlich bekannter Besitzer ist Oberstudienrat Prof. Walter Reinhardt, ein Lehrer für Zeichnen bzw. bildnerische Erziehung am Josefstädter Obergymnasium und am Wiener Akademischen Gymnasium sowie Dozent am Pädagogischen Institut der Stadt Wien. Zwei Jahre nach seinem Tod verkaufte seine Witwe Theresia Reinhardt das Bild 1973 der Österreichischen Galerie um 8.000 Schilling.[3]

     

    Anmerkungen

    13. Kleine Auktion in der Kunstabteilung. Ölgemälde, Aquarelle, Handzeichnungen, Miniaturen, Graphik, Glas, Porzellan, Keramik, Möbel, Metallarbeiten, Textilien aus Privatbesitz (Aukt.-Kat. Dorotheum, Wien, 19.–21.12.1923), Kat.-Nr. 224, o. Abb.

    Johannes Dobai, Das Frühwerk Gustav Klimts, ungedruckte Diss. Universität Wien, 1958, Bd. 2, WVZ-Nr. 201.

    Archiv des Belvedere, Wien, Zl. 824/1973, Erwerbungsakt.

    Contact Provenance Research

    Exhibitions of the Belvedere

    Exhibitions

    • Gustav Klimt, Palazzo Strozzi, Florenz 30.11.1991–8.3.1992
    • Gustav Klimt, Międzynarodowe Centrum Kultury w Krakowie, Pałac Sztuki, Krakau 9.6.–12.7.1992
    • Gustav Klimt. Auf der Suche nach dem Gesamtkunstwerk, Hangaram Art Museum, Seoul Arts Center, Seoul 1.2.–15.5.2009
    • Klimt. Nel segno di Hoffmann e della Secessione, Museo Correr, Venedig 24.3.–8.7.2012
    • Klimt. Alle origini di un mito, Palazzo Reale, Mailand 12.3.–13.7.2014
    • Au Temps du Klimt. La Sécession à Vienne, Pinacothèque de Paris 12.2.–21.6.2015
    • Gustav Klimt. Vienna – Japan 1900, Tokyo Metropolitan Art Museum, Tokyo 23.4.–10.7.2019
    • Gustav Klimt. Vienna – Japan 1900, Toyota Municipal Museum of Art, Toyota 23.7.–14.10.2019
    • Face to Face with Gustav Klimt. With Bas van Beek, Van Abbe Museum, Eindhoven 23.1.–13.6.2021 (ohne Katalog)

      Werkverzeichnisse

    • Johannes Dobai, Das Frühwerk Gustav Klimts, ungedruckte Diss. Universität Wien, 1958, Bd. 2, WVZ-Nr. 201 (Männlicher Akt, Frühwerk?)
    • Alfred Weidinger / Michaela Seiser / Eva Winkler, „Kommentiertes Gesamtverzeichnis des malerischen Werkes“, in: Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt, München et al. 2007, WVZ-Nr. 15 (Männliche Aktstudie, um 1883)
    • Tobias G. Natter (Hg.), Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Köln 2012, WVZ-Nr. 17 (Männliche Aktstudie, um 1883)
    • Klimt-Foundation, Wien (Hg.), Gustav Klimt-Database, 2022 – laufend, https://gkdb.link/4345-2419 (Männliche Aktstudie, um 1883)
    • Literatur

    • Franz Matsch, Autobiographische Skizzen, unveröffentlichtes Manuskript, o. J. [um 1935], Archiv des Belvedere, S. 19
    • Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Bd. 1: 1878–1903, Salzburg 1980, S. 15–19
    • Gerbert Frodl, Gustav Klimt in der Österreichischen Galerie in Wien, Salzburg 1992, S. 12–13
    • Serge Sabarsky (Hg.), Gustav Klimt (Ausst.-Kat. Palazzo Strozzi, Florenz), Florenz 1991, Kat.-Nr. 1
    • Serge Sabarsky (Hg.), Gustav Klimt (Ausst.-Kat. Międzynarodowe Centrum Kultury w Krakowie, Pałac Sztuki, Krakau), Krakau 1992, ohne Nr., Abb.
    • Agnes Husslein-Arco / Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), Weitra 2007, Kat.-Nr. 20, Abb. S. 92
    • Alfred Weidinger, „Ernst Klimt – Aspekte eines kurzen Künstlerlebens“, in: Agnes Husslein-Arco / Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), Weitra 2007, S. 90–114
    • Jane Kallir (Hg.), Gustav Klimt. Auf der Suche nach dem Gesamtkunstwerk (Ausst.-Kat. Hangaram Art Museum, Seoul Arts Center, Seoul), München et al. 2009, Kat.-Nr. 5, Abb. S. 65
    • Agnes Husslein-Arco / Alfred Weidinger (Hg.), Gustav Klimt. 150 Jahre (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), Wien 2012, S. 32–55, Kat.-Nr. 1 (Markus Fellinger)
    • Markus Fellinger, „Il giovane Klimt e la Künstler-Compagnie“, in: Agnes Husslein-Arco / Alfred Weidinger (Hg.), Klimt. Nel Segno di Hoffmann e della Secession (Ausst.-Kat. Museo Correr, Venedig), Mailand 2012, S. 12f., Abb. 3
    • Balthazar Pagani (Hg.), Klimt. Alle origini di un mito (Ausst.-Kat. Palazzo Reale, Mailand), Mailand 2014, Kat.-Nr. 28, Abb. S. 99
    • Giuseppe Scandiani (Hg.), Au temps du Klimt. La Sécession à Vienne (Ausst.-Kat. Pinacothèque de Paris), Paris 2015, Abb. S. 93
    • The Asahi Shimbun (Hg.), Gustav Klimt. Vienna – Japan 1900 (Ausst.-Kat. Tokyo Metropolitan Art Museum; Toyota Municipal Museum of Art), Tokyo 2019, Kat.-Nr. 12
    Restoration

    Stefanie Jahn ORCID logo

    Die Studie des männlichen Aktes zeigt das Modell posierend im Zentrum des Bildes umgeben von einer klassischen Ateliersituation. Auf Kisten gestützt hebt der bärtige Mann den linken Arm über seinen Kopf. Den Blick Richtung Boden gesenkt, wird er von einer außerbildlichen Lichtquelle beleuchtet, welche starke Schlagschatten produziert. Der maltechnische Aufbau dieses Werks ist klassisch: Auf der Leinwand wurde eine helle Grundierung aufgetragen, auf welcher – vermutlich auf einer Imprimitur – die Unterzeichnung folgte. Diese wurde äußerst zart vom Künstler eingesetzt. Er erfasste dabei Elemente wie z. B. das Kissen und das darauf aufgelegte Bein des Modells (Abb. 1) mit einem Stift (vermutlich Grafit). Neben der Unterzeichnung wird mittels Infrarotreflektografie ersichtlich, dass es auch Veränderungen während des Malprozesses gab. Die Wand in der linken Bildhälfte war ursprünglich in mehrere Felder unterteilt und die erhobene Hand des Mannes erfuhr eine leichte Variation (Abb. 2) (Abb. 3). Die Art und Weise, wie Klimt die Ölharzfarben aufgetragen hat, entspricht gänzlich der Funktion dieser Studie, die Anatomie des Körpers unter dem Spiel von Licht und Schatten nachzubilden. Die Farben wurden hierfür fein modellierend aufgebracht, um Bestandteile des Körpers wie Muskeln, Gelenke und Haut zu definieren (Abb. 4). Die vorhandenen flachen Pastositäten machen dabei den Pinselstrich Klimts nachvollziehbar (Abb. 5).